250 Neonazis randalieren in Connewitz

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11.

Januar
2016
Montag

Am Montagabend sammelten sich gegen 19.30 Uhr etwa 250 Neonazis konspirativ in Connewitz - parallel zum zeitgleich in der Innenstadt stattfindenden Legida-Aufmarsch. Offenbar wollten die Neonazis die Legida-Gegenproteste, zu denen sich auch viele Einwohner_innen von Connewitz im Leipziger Zentrum aufhielten, nutzen, um Einrichtungen der linken Szene anzugreifen. In der Wolfgang-Heinze-Straße beschädigte der Mob innerhalb von wenigen Minuten 20 Geschäfte und vier Kneipen bzw. Cafés, welche sich auf einer Länge von ca. 100 Metern südlich des Connewitzer Kreuzes aneinanderreihen.

Betroffen sind sowohl Kneipen, die vornehmlich von linksalternativen Menschen besucht werden, als auch weitgehend unpolitische Einrichtungen wie ein Buchladen, ein Waschsalon oder ein Technik-Geschäft. Am stärksten von den Zerstörungen der Neonazis betroffen ist ein Döner-Imbiss, in welchen mehrere Angreifer minutenlang Schaufensterscheiben und die komplette Einrichtung zertrümmerten sowie die Tageseinnahmen aus der Kasse stahlen. Die Angestellten und Kunden des Geschäfts schlossen sich während des Gewaltexzesses in einem Hinterraum ein, um Angriffen auf ihre Person zu entgehen.

Der Polizei gelang es schließlich, einen großen Teil der Neonazis in einem Kessel in einer Seitenstraße der Wolfgang-Heinze-Straße festzusetzen. Diese wurden anschließend zur Identitätsfeststellung auf die Polizeiwache verbracht und gegen sechs Uhr morgens wieder entlassen. Die festgenommenen Täter, darunter zahlreiche aus dem Hooligan-Milieu bekannte Gewalttäter, müssen nun mit einer Anklage wegen schweren Landfriedensbruchs rechnen. Die Fahrzeuge, mit denen die Nazis nach Connewitz angereist waren, deuten auf eine überregionale Mobilisierung innerhalb der Szene für den koordinierten Angriff. Vertreten waren Autos mit Kennzeichen aus Dresden, Pirna, Magdeburg, Halle, Gera und Wien.

Augenzeug_innen zufolge sollen unter den Festgenommenen auch bekannte Funktionäre der NPD/JN aus Nordsachsen gewesen sein. Zwischen den Spuren der Verwüstung fanden Anwohner_innen am frühen Dienstagmorgen noch zahlreiche Gegenstände, welche der Spurensicherung der Polizei am Vorabend entgangen waren. Darunter weggeworfene Vermummungsgegenstände, sogenannte Schutzbewaffnung und ein Messer.

Berichten der Seite "Antifa in Leipzig" zufolge kursierten vorab Aufrufe im Internet, die zielgerichtet Hooligans zur Anreise nach Leipzig aufforderten. Ebenfalls auffällig: Die Legida-Abspaltung „Offensive für Deutschland“ (OfD) hatte ihre geplante Parallelkundgebung zu Legida kurzfristig abgesagt, angeblich aus Krankheitsgründen.

Im Netz feiern Neonazis die Aktion als gelungenen Schlag gegen die linke Szene in Connewitz. „Connewitz wird eben mit dem Kärcher gereinigt“, ist auf dem Twitter-Account der Leipziger NPD zu lesen, noch während am Montagabend Gesinnungskameraden im Stadtteil Connewitz Scheiben einwerfen. Vier Tage später wird zudem in Döbeln an eine Mauer die Botschaft "11.01.16 Stasser-terr is coming home" gesprüht. Gemeint ist vermutlich "Straßenterror" - ein Begriff, der auf die Aktivitäten der SA zur Bekämpfung politischer Gegner in den 1930er Jahren verweist.