Angriff mit Teleskopschlagstock in Billardkneipe

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1.

Mai
2014
Donnerstag

Mit einem Teleskopschlagstock griff ein Mann in der Nacht zum 1. Mai 2014 einen Besucher einer Billardkneipe in Leipzig-Schönefeld an. Der Schlag traf ihn an der Schläfe, er erlitt glücklicherweise nur eine Platzwunde und eine Schädelprellung. Als die Polizei eintraf, war der Schläger bereits verschwunden.

Im Nachgang konnte der Täter als Sebastian K. identifiziert werden. Der zur Tatzeit 29-Jährige ist seit Jahren als überzeugter Nationalsozialist bekannt. Mehrere Tattoos zeugen von seiner Gesinnung: Auf dem Hinterkopf prangt eine "Schwarze Sonne", der "Skinhead"-Schriftzug auf seinen Handknöcheln ähnelt einer Sig-Rune. Neben der gefährlichen Körperverletzung wurde ihm auch Nötigung zur Last gelegt, weil er einer Zeugin gedroht haben soll, ihr die "Finger abzuschneiden", sollte sie nicht zu seinen Gunsten aussagen.

In der Hauptverhandlung am 21. März 2016 vor dem Amtsgericht Leipzig ließ K. sich zu den Vorwürfen ein. Die Nötigung bestritt er, den Schlag mit dem Teleskopschlagstock auf den Kopf gab er zu. Diesen habe er allerdings in Notwehr verübt, die Waffe habe seinem Begleiter gehört, dem ebenfalls als Neonazi bekannten Benjamin L. Gemeinsam mit zwei Freundinnen habe man beim Billardspielen anzügliche Bemerkungen aus der Gruppe um das spätere Opfer vernommen. Daraufhin stellte K. sich den vier Männern, die zuvor beim Handballtraining waren und den Abend in dem Lokal ausklingen lassen wollten, in den Weg und schlug zu.

Aus den Zeugenaussagen ging hervor, dass die beiden Neonazis und ihre Begleiterinnen die andere Gruppe offenbar für Polen gehalten hatte. Die zwei jungen Frauen bezeichneten diese stets als "die Ausländer". Eine von ihnen gab außerdem zu, bei der Polizei eine Falschaussage gemacht zu haben, um K. zu schützen.

Das Gericht wertete die Tat nicht als Notwehr und befand Sebastian K. der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Als strafmildernd wurde angeführt, dass Sebastian K. eine Arbeitsstelle und zwei Kinder habe. Zumindest die beiden Kinder hatten Gerichte in der Vergangenheit nicht davon abgehalten, K. zu einer Haftstrafe zu verurteilen, die er in der JVA Torgau absitzen musste. Zum Tatzeitpunkt stand K., der wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestraft ist, unter Bewährung.

Dennoch wurde für die vorliegende Tat – einen potenziell tödlichen und möglicherweise rassistisch motivierten Schlag mit einem Teleskopschlagstock an die Schläfe – lediglich K.s Bewährungszeitraum um zwei Jahre verlängert. Außerdem muss er 500 Euro an die Stadt Leipzig bezahlen. Mit diesem ungewöhnlich niedrigen Strafmaß folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Vom Vorwurf der Nötigung wurde K. freigesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: 

chronik.LE