Angriffe auf Antirassistischen Sonntagsspaziergang in Wurzen

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16.

März
2008
Sonntag

Am 16.03. fand in Wurzen der 4.Antirassistische Sonntagsspaziergang statt, der diesmal den Versandhandel "Front Records" von Thomas Persdorf thematisierte. Während des gesamten Verlaufs störten Neonazis die Demonstration. Am Wettiner Platz sowie am Bahnhof versuchten ca. 60 bis 70 Nazis, die Teilnehmer_innen des Spaziergangs anzugreifen, die Polizei konnte dies allerdings verhindern. Thomas Persdorf hatte an diesem Tag auf dem Gelände seines Versandhandels in der Rathenaustraße zum Grillen geladen, sodass dieser als Treffpunkt für die Nazis fungierte.

Ab dem Marktplatz und entlang der gesamten Route provozierten ca. 15 Nazis die Demoteilnehmenden, indem sie Naziparolen skandierten und die Teilnehmer_innen abfilmten und fotografierten. Zudem führten sie ein Transparent mit der Aufschrift "Mord und Totschlag nicht nur in Leipzig. Multikulti - Nein Danke. Nationaler Sozialismus bringt die Wende" mit sich. Die Neonazis bildeten eine eigene unangemeldete und spontan durchgeführte Demo, wogegen die Polizei nicht vorging. Auch Persdorf war unter den Teilnehmenden.

Auch Funktionäre der NPD waren vor Ort, so der NPD-Stadt- und Kreisrat Wolfgang Schroth sowie Matthias Möbius, Torwart des ATSV, des örtlichen Fußballvereins. Beide fotografierten die Teilnehmer_innen des "Antirassistischen Sonntagsspazierganges" ab. Im Vorfeld der Demo wurden in der Wurzener Innenstadt Zettel mit neonazistischen und rassistischen Inhalten verbreitet, die den "Freien Kräften" sowie den "Nationalen Sozialisten Muldental" zugeordnet werden können.

Am späteren Abend kam es zu einer Auseinandersetzung. Einer der bereits nachmittags aktiven Neonazis schlug aus einer Dreiergruppe heraus auf einen Jugendlichen ein, der sich mit zwei Freunden am Domplatz aufhielt. Die Polizei wurde informiert, konnte die Täter jedoch nicht mehr auffinden. Bei einer Verhandlung im März 2009 wurde Thomas Persdorf freigesprochen. Persdorf war allerdings auch nicht unter den drei Angreifern, wie Zeug_innen und Betroffene übereinstimmend berichteten. "Was die Ermittler auf die Vermutung gebracht hat, P. sei der Täter", konnte der Staatsanwalt "nicht beantworten", so die LVZ am 1.4.2009. Letztlich wurde für diese Tat niemand verurteilt.