Antisemitisches Stalking und Angriff in Gohlis

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3.

Mai
2021
Montag

Eine aus Israel stammende Jüdin und ihre Mitbewohnerin werden über einen längeren Zeitraum von einer Nachbarin belästigt, antisemitisch beleidigt und schließlich körperlich angegriffen. Als eine zunächst interessiert erscheinende Nachbarin herausfindet, dass beide Bewohnerinnen Hebräisch sprechen, reagiert diese abrupt abweisend und bezeichnet Hebräisch als "schlechte Sprache". Sie fragt die beiden, weshalb sie dann nicht in Israel lebten und fordert die beiden in rassistischer Manier auf, in Deutschland nur Deutsch zu sprechen. Im Anschluss fragt die Nachbarin, ob beide Juden seien. Die beiden Betroffenen versuchen fortan, die Antisemitin zu ignorieren. Diese lauert ihnen jedoch immer wieder im Treppenhaus auf und öffnet stets überwachend ihre eigene Wohnungstür, wenn die beiden ihre Wohnungstür öffnen.

Die Übergriffigkeit der Antisemitin erreicht ihren Höhepunkt am 03. Mai gegen 22 Uhr, als eine der beiden jüdischen Nachbar_innen mit einem großen Koffer die Wohnung verlässt. Anscheinend erfreut über den vermeintlichen Auszug bekundet sie, dass die "Jüdin", als die sie sie abwertend bezeichnet, nun endlich fortziehe. Sie verfolgt die Person bis vor die Tür des Wohnhauses, wo diese den Koffer in ein Auto lädt, und verweigert ihr wieder das Haus zu betreten, in dem sie in herrischer Pose den Hauseingang blockiert. Als die jüdische Person an ihr vorbei will, wird sie von der größeren und stämmigeren Deutschen zurückgestoßen. Währenddessen wird sie fortlaufend beleidigt und ihr gesagt, sie dürfe das Haus nicht mehr betreten und solle auf der Straße schlafen. Die Betroffene ruft ihre Mitbewohnerin zu Hilfe. Gemeinsam schaffen sie es, wieder in ihre Wohnung zu gelangen und die Tür vor der Antisemitin zu verschließen. Diese randaliert fortan und tritt gegen ihre Wohnungstür. Auch keine_r der Nachbar_innen eilt den beiden zu Hilfe oder ruft die Polizei. Nach mehrfachen Notrufen erscheint die Polizei erst nach einer Stunde. Die Betroffenen schildern ihre Perspektive, die sie durch Videoaufnahmen belegen können. Die antisemitische Nachbarin leugnet den Angriff. Als die Polizei sich gegen 2 Uhr entfernt, randaliert die Nachbarin wiederum und versucht ihrerseits, Aufnahmen von den Betroffenen anzufertigen und in deren Wohnung zu gelangen. Dabei beleidigt sie die Betroffenen weiter antisemitisch. Die Polizei erscheint dieses mal schneller und droht der Nachbarin, sie bei einem weiteren Angriff mit auf die Wache zu nehmen.

Die beiden Betroffenen sehen sich nicht hinreichend geschützt und verlassen in der Folge ihre Wohnung und die Stadt Leipzig.

Laut der Dresdner Morgenpost vom 11. Mai 2021 handelt es sich bei der Täterin um die ehemalige Büroleiterin des SPD-Landtagsabgeordneten Holger Mann.

Quelle: 

Facebook-Beitrag von Coral Guter
L-iZ vom 08.05.2021: Die Unendliche Geschichte
LVZ-online vom 08.05.2021: Jüdin in Leipzig von Nachbarin bedroht und attackiert: „Du gehörst nicht hierher“
Dresdner Morgenpost vom 11.05.2021 Staatsschutz ermittelt gegen frühere SPD-Büroleiterin
LVZ-Online vom 18.05.2021: Antisemitisches Tatmotiv: Soko Rex ermittelt nach Angriff auf Jüdin in Leipzig