Colditz: Nazis demonstrieren für Todesstrafe

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29.

Mai
2010
Samstag

Etwa 100 Neonazis versammelten sich am 29. Mai auf dem Colditzer Markt bei einer Kundgebung zum Thema "Todesstrafe für Kinderschänder". Anlass für die Veranstaltung war ein Fall von Kindesmissbrauch, der wenige Tage zuvor am Landgericht Grimma verhandelt worden war. Neonazis fordern für solche Fälle prinzipiell die Todesstrafe – daher das für diese Szene typische Motto der Kundgebung.

Die Veranstaltung war durch den Colditzer Neonazi Frank Z. angemeldet worden, der dafür auch auf einem großen Internetportal geworben und für seinen Aufruf 300 virtuelle UnterstützerInnen gefunden hat. Die reale TeilnehmerInnen-Zahl blieb zwar deutlich darunter, allerdings schlossen sich auch einige BürgerInnen und örtliche Jugendliche an. Dabei bestand über den politischen Hintergrund der Veranstaltung kein Zweifel: Angereist waren unter anderem Mitglieder der "Freies Netz"-Kameradschafts-Gruppen aus Leipzig, Geithain und Borna. Außerdem sicherten als "Ordner" 15 Neonazis aus der Wurzner Hooligan- und Kampfsportszene die Kundgebung ab.

Etwa zehn Personen, die sich unweit des Marktplatzes eingefunden hatten, um gegen die Forderung nach der Wiedereinführung der Todesstrafe zu protestieren, wurden zunächst von anwesenden Neonazis eingeschüchtert und anschließend von der Polizei schikanös 45 Minuten lang durchsucht. Währenddessen hielten der Geithainer Stadtrat Manuel Tripp (NPD) und Organisator Frank Z. Ansprachen.

Frank Z. beteuerte in seiner Rede, dass die Kundgebung keineswegs "politisch" sei und das Thema "Kinderschänder" alle etwas angehe. Allerdings ist die Todesstrafe, die auf dem Colditzer Marktplatz beworben werden durfte, nicht nur die brachialste Strafe und wird hierzulande zurecht nicht mehr verhängt, sondern steht durch ihre menschenverachtende Logik, mit der die Tötung eines Menschen gerechtfertigt werden soll, stellvertretend für ein faschistisches Weltbild.

Bilder von der Kungebung bei "Recherche Ost".

Quelle: 

chronik.LE