Colditz: Vermummte Neonazis prügeln auf Punks ein

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29.

Januar
2010
Freitag

Am Freitagabend wurden gegen 21.00 Uhr in Colditz vier junge Männer von mehreren vermummten Tätern geschlagen und verletzt. Die Polizei nahm kurz darauf vier Tatverdächtige im Alter von 21 bis 53 Jahren fest. Bei den Opfern handelt es sich nach Informationen der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Die Linke) um Punks aus Colditz und Grimma. Unter den Tätern sollen stadtbekannte Neonazis gewesen sein. Weitere Faschisten befanden sich zum Tatzeitpunkt nach Zeugenaussagen auf dem Gelände eines ortsbekannten Neonazis.

Insgesamt liefen in den frühen Abendstunden acht junge Leute auf der Bad Lausicker Straße in Richtung einer Gaststätte. In Höhe des Bornweges kam es der Polizei zufolge zu einer verbalen Auseinandersetzung, die vom Fahrer (25) eines silbergrauen Mercedes Kombi begonnen wurde. Das Fahrzeug fuhr anschließend weiter in Richtung Innenstadt und kehrte dann mit Verstärkung zurück. Die Fußgänger waren inzwischen über eine längere Strecke verteilt. Mehrere vermummte Personen stiegen aus, unter ihnen ein 53-Jähriger, der die jungen Leute zuvor bereits beschimpft hatte. Dieser lief nun laut Polizei zu einem der Punks und schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. Dadurch fiel dieser zu Boden und verletzte sich an der Schulter. Sein Begleiter wurde durch einen 23-jährigen Tatverdächtigen mit Schlägen und Tritten im Gesicht verletzt. Zwei weitere Täter attackierten die anderen Punks, die weiter vorn liefen. Dabei wurden ebenfalls zwei Personen verletzt.

Die Polizei schließt "eine politisch motivierte Straftat zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht aus". Es werde aber in alle Richtungen ermittelt. Ein Polizeisprecher sagte gegenüber dpa, dass es in der Vergangenheit in Colditz "immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten" gegeben habe.

Einer der Betroffenen war laut Köditz innerhalb weniger Wochen bereits dreimal Opfer eines gewalttätigen Angriffs. "Wenn aus einem nichtigen Anlass heraus innerhalb weniger Minuten durch die Neonazis Verstärkung organisiert werden kann und deren Angriff mehrere Verletzte kostet, wenn sich nach Zeugenaussagen in Colditz weitere Neonazis als Reserve bereit hielten, dann unterstreicht dies, dass es in dem Ort eine reale, tagtägliche Gefahrensituation gibt", schreibt die Abgeordnete.

Laut einem Bericht des Antifaschistischen Infoportals Colditz bei Indymedia soll sich zur Tatzeit außerdem eine größere Gruppe von "Nazis, rechten und erlebnisorientierten Jugendlichen" auf dem Gelände eines der Täter und seiner Familie gesammelt haben. Seit geraumer Zeit würden dort zwei Gebäude saniert, woran sich Neonazis aus Colditz und der Region beteiligten.