Delitzsch: Nazis verhöhnen im Internet Opfer rechter Gewalt

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6.

Januar
2010
Mittwoch

Zum wiederholten Male werden Opfer rechter Gewalt auf der Nazi-Plattform "Aktionsbüro Nordsachsen" verhöhnt, beleidigt und bedroht. Der unter dem Pseudonym "Sibelius" veröffentlichte Text bezieht sich auf einen namentlich genannten jungen Mann aus Delitzsch, der bereits mehrfach durch Delitzscher Neonazis massiv bedroht und angegriffen wurde. Das Opfer, welches auf Grund der andauernden massiven Bedrohungen Delitzsch als Wohnort verlassen hat, wird als eine Marionette der Partei "Die Linke" bezeichnet. Ihm wird außerdem vorgeworfen, mit Lügen über die "Nationalen Aktivisten" Politik gegen deren Etablierung in Delitzsch zu betreiben. In diesem Zuge wird er als "Laienopfer" und "Laiendarsteller" verunglimpft. Besonders empört äußert sich der Autor über die den Übergriffen folgenden Ermittlungen der Polizei:

"Allein diese Aussage eines, von der Linken taktisch eingesetzten, Laiendarstellers [...], beschert vielen Nationalisten eine Anordnung zur Identitätsfeststellung mittels Fingerabdruckentnahme und Fotodokumentation, ganz wie es sich für rechte Verbrecher ziemt. Kein Foto, keine Beweismittel, nichts – ausser dem linken Opfer. So sieht es im Rechtsstaat brd aus. Jeder noch so große Blödsinn ergibt seinen Sinn, wenn er aus dem „Kampf gegen Rechts“ fruchtet.

Konkret äußert sich der Autor über auch bei Chronik.LE dokumentierte Übergriffe auf den jungen Mann. Außerdem wird ein Übergriff auf eine Gruppe von Gegendemonstrant_innen während eines als "Flashmob" bezeichneten Aufmarsches der Neonazis in der Delitzscher Innenstadt erwähnt. Bereits am 21. Oktober 2009 wurde der bedrohte junge Mann auf den Seiten des "Aktionsbüros Nordsachsen" als politischer Gegner "geoutet". Neben Beleidigungen und Verleumdungen wurden Informationen veröffentlicht, die weit in die Privatsphäre des Betroffenen reichen.

Das "Aktionsbüro Nordsachsen" ersetzt die Delitzscher Subdomain des Neonaziportals "Freies Netz", welches vor den Landtagswahlen 2009 abgeschaltet wurde. Das "Freie Netz" riefen die ehemaligen Kameradschaftsführer Thomas Gerlach (Altenburg) und der Delitzscher Maik Scheffler ins Leben. Scheffler ging entgegen der ursprünglichen Idee der selbsternannten "Freien" den Weg in die NPD und sitzt inzwischen im Delitzscher Stadtrat. Der Multifunktionär war außerdem Organisationsleiter für die Landtagswahlen und ist nun Kreisvorsitzender in Nordsachsen und Mitglied im Landesvorstand der Partei. Wie in diesem Chronik.LE-Dossier beschrieben, gilt Scheffler als Leitfigur der neonazistischen "Freien Kräfte" in Leipzig und Umgebung und führt die Gruppierungen nun in die NPD-Nachwuchsorganisation JN.

Quelle: 

Aktionbüro Nordsachsen vom 06.01.2010, Chronik.LE