Eigentümer und Betreiber der Geflüchtetennotunterkunft in Böhlen ist bekannter Neonazi

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7.

Februar
2015
Samstag

In Böhlen gibt es eine Unterkunft für Asylsuchende wie in vielen anderen Orten. Das besondere an dieser Unterkunft ist, dass der Besitzer der Immobilie in keiner Weise positiv gegenüber Geflüchteten eingestellt sein dürfte*, wenn man von seiner Parteizugehöigkeit ausgeht. Wolfgang Seifert war bis vor Kurzem einer der maßgeblichen Protagonisten der Republikaner. Die Partei positionierte sich bei Wahlen mit Antiasyl-Slogans wie "Goldzähne für Asylbewerber. Zahnlücken für Deutsche" und "Das Boot ist voll". Seifert kandidierte zudem 2010 bei den Bundestagswahlen für die Republikaner und seine Frau Ingeborg war jahrelang im Bundesvorstand der Partei. Zudem stellte er eine Immobilie der Partei zur Verfügung. Auch wenn Seifert sagt: "Die Republikaner spielen keine politische Rolle mehr. Wir sind nicht mehr dabei", läßt sich bezweifeln, dass sich elementare Inhalte dadurch geändert haben werden wie auch in der LVZ dargelegt.

Seifert kommentierte auf Nachfrage seine Rolle bezüglich der Unterkunft folgendermaßen: "Humanitäre und wirtschaftliche Interessen treffen aufeinander." Eine Person, die politisch gegen die Anwesenheit von Geflüchteten und Migrant_innen hetzte, erwirtschaftet nun also auf diese Weise nicht unerhebliche Geldbeträge. Bei 105 Geflüchteten und einer monatlichen Pauschale von etwa 500 Euro pro untergebrachte Person, die der Freistaat Sachsen bereitstellt, ergibt sich eine monatliche Summe von 525.000 Euro.

Die Initiative ging bei dem Abkommen anscheinend von der Landesdirektion Sachsen aus: "Ich war selbst überrascht - beworben hatte ich mich jedenfalls nicht. Ich weiß nicht, weshalb ich ausgewählt wurde." Der Vertrag läuft nun vorraussichtlich bis Ende April 2015. Der Landesregierung war es laut Zeitungsberichten vor Entschluss zu diesem Objekt bereits bekannt. Nun stellt sich die Frage, warum dann trotzdem dieser Ort gewählt wurde.

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* Abgesehen davon gilt es als zweifelhaft, dass die Unternehmen, welche Asylunterkünfte besitzen und managen, an den Schicksalen der Geflüchteten in unterstützender und positiver Absicht interessiert sind. Eher kann davon ausgegangen werden, dass finanzielle Beweggründe den Hauptgrund darstellen. Anders ausgedrückt: Flucht wird zum Business, und das nicht nur hier und auf diese Weise.