Erneute Poggenburg-Kundgebung in Leipzig

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21.

August
2019
Mittwoch

Der ehemalige AfD-Politiker André Poggenburg will erneut in Leipzig-Connewitz aufmarschieren. Dies ist in diesem Jahr bereits der fünfte Versuch im Leipziger Süden eine Versammlung durchzuführen. (Vgl. Chronik-Beiträge zum 12. Februar 2019, 01. Mai 2019, 05. Juni 2019 und 17. Juli 2019).
Poggenburg war Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt und geriet nach einer Rede zum politischen Aschermittwoch unter Druck und trat aus der AfD aus. Bis vor kurzem war er Vorsitzender der neugegründeten Partei "Aufbruch der Patrioten Mitteldeutschland" (AdPM, vorher AdP). Als sich kurz vor der Landtagswahl ein Wahldebakel abzeichnete, wollte er zur Wahl der AfD aufrufen und die AdPM auflösen, scheiterte damit allerdings am Widerstand der eigenen Parteimitglieder. Seitdem ist er ohne Partei unterwegs.

Nachdem vergangene Versammlungen immer Richtung Innenstadt verlegt wurden darf die Kundgebung erstmal im Leipziger Süden stattfinden, allerdings auf der Richard-Lehmann-Straße und damit lediglich an der Grenze zu Connewitz. Poggenburg stilisiert dies als Erfolg.

Die Kundgebung steht diesmal unter dem Motto "Gegen Linke Intoleranz und Aggression". An der Kundgebung beteiligen sich lediglich zehn Personen, ein neuer Negativrekord an Teilnehmenden für Poggenburg. Unter den Teilnehmenden befinden sich neben Poggenburg der Neonazi Alexander Kurth, welcher die Veranstaltung filmt, "OfD-Heidi" und der sächsische Landesvorsitzende der AdPM Egbert Ermer.

Die Kundgebung startet mit großer Verspätung, da der notwendige Notstromer nicht funktioniert. Ermer müht sich minutenlang ab, schlussendlich läuft der Notstromer doch.

Auf der Kundgebung gibt es lediglich zwei kurze Reden. Egbert Ermer startet mit der Verlesung der Auflagen und spricht dann über "Linksextremismus". Der Gegenprotest gegen die AdPM-Kundgebung sei "Terrorismus". Weiterhin äußert er sich zu seiner ehemaligen Partei AfD und parteiinternen Streitigkeiten dort. Er plädiert für eine Einigung im "patriotischen Lager".
Nach Ermer spricht Poggenburg und erklärt nochmal, warum er unbedingt nach Connewitz will und freut sich, dass er dies mit der aktuellen Kundgebung geschafft hätte. Dass seine Kundgebung lediglich am äußersten Rand von Connewitz und weit entfernt vom offenen Projekt- und Abgeordnetenbüro Linxxnet stattfindet, realisiert er scheinbar nicht. Auch er spricht in seiner Rede über "Linksextremismus". Drogen seien seiner Meinung nach der wesentliche Grund dafür, dass Menschen links werden. Weiterhin wirbt er mehrfach und langatmig dafür, bei den anstehenden Landtagswahlen AfD zu wählen.
Nach ca. 30 Minuten ist die Kundgebung bereits vorbei.

Ähnlich der letzten Kundgebung schmücken zwei große professionell gedruckte Plakate den "Lautsprecherwagen". Auf diesen ist "patriotisch, überparteilich, heimattreu" zu lesen. Dazu kommt die Wirmer-Flagge und die blaue Kornblume, im 19 Jahrhundert ein Symbol der deutschnationalen Bewegung in Österreich und zwischen 1933 und 1938 Erkennungszeichen der damals illegalen Nationalsozialisten.

Ein Teilnehmer der Kundgebung trägt eine gelbe Weste, auf welcher geschrieben steht, dass er einen GPS-Tracker in seinem Körper trage. Dies sei ein "moderner Judenstern". Mit dieser Bezeichnung wird die systematische Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung von Juden_Jüdinnen im Nationalsozialismus verharmlost. Die vermeintliche Implantation von Trackern in menschliche Körper folgt einer Verschwörungstheorie, wonach diese Chips wahlweise von der Regierung, Geheimdiensten oder anderen "finsteren" Mächten eingesetzt werden, um die Menschen zu überwachen und schlussendlich zu versklaven.

Gegen die Kundgebung demonstrieren mehr als 1.000 Personen. Der Protest ist auf der Kundgebung deutlich zu hören. Anwohner_innen hängen Transparente aus anliegenden Häusern, um ihren Unmut zu äußern. So ist auf einem der Slogan "Gegen Poggen hilft nur impfen. Connewitz bleibt stabil" zu lesen.
Zur Absicherung des Geschehens werden 1.200 Polizeibeamt_innen und sieben Wasserwerfer eingesetzt.

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