Geithain: Das "Freie Netz" liebt Luftballons

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27.

September
2011
Dienstag

Auf ihrem Webportal berichtet das neonazistische "Freie Netz Geithain" begeistert von einer ihrer Aktionen, die im Zusammenhang mit dem im vergangenen Dezember geschlossenen Jugendclub Syhra, der hauptsächlich von Neonazis genutzt wurde, steht.

So soll "die Geithainer Bevölkerung (...) heut morgen (...) ihren Augen" kaum getraut haben, denn "die Stadt und die Ortsteile (sollen) übersät mit roten Luftballons" gewesen sein. "Knapp 400 Ballons (haben) Aktivisten in Umlauf gebracht." Auf diese unglaubliche logistische wie körperliche Meisterleistung "muss man erstmal kommen", ist im Bericht zu lesen. Detailliert wird auf das Aussehen der Luftballons eingegangen. Dabei sollen ganze "vier verschiedene Motive mit der Adresse (der neonazistischen) Netzseite zu lesen" gewesen sein, auf denen "aufgeklebte Mitteilung(en)" angebracht waren.

Die Hauptforderung der Neonazis: "Jugend braucht Freiraum – Für einen freien Jugendclub in Syhra". Ein "freier Jugendclub" in der Vision der Nazis ist freilich einer, indem diese ihre völkisch-nationalen Visionen ungestört durch andere Einflüsse ausleben können. Bereits in den neunziger Jahren verkamen unter dem Ansatz der "akzeptierenden Jugendarbeit" viele Jugendclubs im Osten Deutschlands zu staatlich finanzierten Infrastruktur-Einrichtungen für neonazistische Akteure und Organisationen. In der Jugendarbeit ist dieser Ansatz inzwischen entsprechend diskreditiert.

Zwischenzeitlich hatte sich ein Pfarrer als ehrenamtlicher Helfer angeboten, um den Jugendclub wieder öffnen zu können, später dieses Angebot aber wieder zurückgezogen. Grund dafür dürfte die Einsicht sein, dass die für einen solchen Jugendclub notwendigen professionellen Konzepte der Jugendarbeit keinesfalls mit ehrenamtlicher Arbeit umsetzbar sind. Zur Stärkung einer demokratischen Jugendkultur wäre eine Wiedereröffnung des Jugendclubs daher nur mit genügend personeller und finanzieller Ausstattung denkbar.

Am Abend durften sich dann wohl die "Aktivisten" vom langen und anstrengenden Aufpusten der Ballons erholen. Per Twitter verkündete das "FN Geithain" ein "Soli-Grillen für und am geschlossenen Jugendclub in Syhra."

Quelle: 

Webseite des neonazistischen "Freien Netz Geithain"