Geithain: Thälmann-Denkmal beschädigt, Kriegs-Denkmal geputzt

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20.

Mai
2011
Freitag

Wie die Polizeidirektion Westsachsen in ihrer täglichen Presseinformation berichtet, kam es schon vor dem 20. Mai durch Unbekannte zur Beschädigung des Ernst-Thälmann-Denkmals in der Louis-Petermann-Straße/Pestalozzistraße. Die Täter_innen beschädigten das Gesicht des Reliefs sowie Teile des Schriftzuges. Laut Polizei sei "ein politisch motivierter Hintergrund nicht auszuschließen". Das neonazistische "Freie Netz Geithain" kommentierte die Meldung über die Beschädigung des Denkmals mit: "Schon wieder Kloppe für Ernst Thälmann in Geithain".

Wie die LVZ berichtet, wurde das Denkmal bereits mehrfach mit Parolen beschmiert. Lokale Neonazis schenkten dem Denkmal erst kürzlich ihre Aufmerksamkeit: Während einer Nazikundgebung am 16. Mai, die sich gegen die Geithainer Zivilgesellschaft richtete, machten sie ein Gruppenfoto vor dem Denkmal, das an die Ermordung Thälmanns durch die Nationalsozialisten erinnern soll. Zu diesem Zeitpunkt war das Denkmal offensichtlich bereits beschädigt.

Im Gegenzug trifft die praktizierte Pflege der Geithainer Neonazis ein anderes Denkmal. Unter dem Kommando des NPD-Stadtrates Manuel Tripp wählten sich Mitglieder des Freien Netzes Borna-Geithain "bewusst das Gelände rundum das Kriegerdenkmal als Einsatzort" im Rahmen einer Putzaktion am 21. Mai aus. Die Verehrung deutscher Soldaten, die während der zwei von Deutschland begonnenen Weltkriege millionenfachen mordeten, ist wichtiger Bestandteil nationalsozialistischer Ideologie. Auf den Seiten des Freien Netzes rühmen sich die Nazis anschließend des eigenen Putztriebs: Mit dieser Aktion wolle die "heimattreue Jugend" beweisen, "dass sie das anständige Deutschland" verkörpert.

Quelle: 

LVZ Borna-Geithain vom 26.05.2011, PM der PD Westsachsen vom 24.05.2011 (Revier Borna); Twittermeldung des neonazistischen "Freien Netz Geithain"vom 24.05.2011