"Geithainer Sprachrohr": Manuel Tripp informiert über Kleinkläranlagen, Chaoten-Konzerte und Volksgemeinschaft

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31.

August
2010
Dienstag

Der im vergangenen Jahr für die NPD in den Stadtrat von Geithain gewählte Neonazi und "Freies Netz"-Aktivist Manuel Tripp gibt eine vierseitige Propaganda-Postille mit dem Titel "Geithainer Sprachrohr" heraus, um "auch außerhalb des Weltnetz" Informationspolitik zu betreiben. Laut eigenen Angaben des "Freien Netz Geithain" wurden die üblichen tausenden Exemplare der ersten Ausgabe "flächendeckend in Geithain und den Ortsteilen" verteilt.

Das "regionale Infoblatt zur Kommunalpolitik in Geithain" enthält als Aufmacher einen kurzen Artikel mit der markigen Überschrift "Schluss mit der Verordnungsdiktatur!" und behandelt "vollbiologische Kleinkläranlagen". Ein Antrag Tripps zu diesem Thema wurde im März von den Geithainer Stadträt_innen einstimmig abgenickt. Ein großer, weil seltener Erfolg für den Kommunalpolitiker. Leider hätte die lokale LVZ verschwiegen, dass der Antrag dazu von ihm stammte. Noch schlimmer: Inzwischen hätten die "Wassergewaltigen" die vom Parlament beschlossene Fristverlängerung zur Umstellung der Kläranlagen wieder verkürzt. Da helfe nur ein "geeinter und überregionaler Protest seitens der Bevölkerung".

Auf den weiteren Seiten sind unter anderem ein Rückblick auf "Ein Jahr nationale Opposition im Geithainer Stadtrat", eine Aufzählung von Tripps parlamentarischen Aktivitäten sowie ein Hetzartikel gegen das örtliche Jugendhaus R9 zu finden. Zu dessen Konzerten würden "die größtenteils linksalternativen Teilnehmer und Bands aus den verschiedensten Regionen Sachsens und darüber hinaus" anreisen, um Geithain regelmäßig in Schutt und Asche zu legen und "nationale Aktivisten und Sympathisanten" zu terrorisieren. Leider harre Tripps Antrag auf Verbot der "linksextremen Konzerte" immer noch seiner Bearbeitung im Rat. Dafür gibt es schon seit längerem einen entsprechenden Aufkleber ("Linke Chaoten-Konzerte stoppen!") des "Freien Netz Geithain", der - als Anzeige - ebenfalls abgedruckt ist. Das R9 und BesucherInnen des Jugendhauses waren bereits mehrfach das Ziel neonazistischer Angriffe (siehe hier, hier und hier).

Höhepunkt des Hefts ist allerdings ein Artikel mit dem Titel "Volksgemeinschaft oder Untergang", der als Anzeige des "Freien Netz Borna-Geithain" daherkommt. Unter Bezug auf Carl Schmitt und Ferdinand Tönnies legen die Neonazis darin im Duktus des "Wachturms" dar, dass sie angesichts des in Geithain bevorstehenden Volkstodes "Gegenkonzeptionen [...] zur herrschenden Dekadenz, zum politischen Mainstream, zum liberalkapitalistischen System im Allgemeinen" anbieten wollen, um diese den "Suchenden [zu] zeigen, die Nicht-Suchenden immerhin auf unsere Ideen aufmerksam [zu] machen, so daß in Gesprächen und Diskussionen mit Mitmenschen unsere Ideen eine überzeugende und treffende Weitergabe erfahren." Statt des Himmelreichs haben die "Nationalen Sozialisten" als Kern ihrer Weltanschauung die "solidarische Volksgemeinschaft" im Angebot, die im Gegensatz zur "atomisierten Ellenbogengesellschaft der liberaldemokratischen Welt" nicht beliebig konstruierbar sei. Das "harmonische Miteinander und Handeln aller Deutschen zum Wohle der Nation" sei jedoch nur dann umsetzbar, solange überhaupt noch ein deutsches Volk existiere. Und damit sieht es nach Ansicht der Neonazis bekanntlich schlecht aus.

Doch wer soll nach dem Untergang des "deutschen Volkes" noch gegen all die verordneten vollbiologischen Kleinkläranlagen protestieren - etwa die Bevölkerung?

Quelle: 

"Freies Netz Geithain" vom 31.08.2010, "Geithainer Sprachrohr", chronik.LE