"Junge Nationalisten" protestieren gegen LINKEN-Kundgebung in Trebsen

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8.

August
2021
Sonntag

Unter dem Motto „Solidarität statt Hass!“ führt der Kreisverband Westsachsen der LINKEN am Sonntagvormittag eine Kundgebung durch, um sich mit Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt in der Kleinstadt zu solidarisieren. Gegenüber der angemeldeten Versammlungsfläche ziehen kurz nach dem offiziellen Beginn der Versammlung etwa 15-20 Mitglieder und Anhänger der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationalisten" (JN) auf. Sie tragen teilweise einheitliche T-Shirts mit dem JN-Logo, schwenken entsprechende Fahnen und entrollen ein Transparent mit dem Spruch "Die spinnen, die Linken!".

Nachdem die zuvor nur mit wenigen Kräften anwesende Polizei Verstärkung erhalten hat, beginnt sie die Personalien der Teilnehmenden der JN-Versammlung aufzunehmen. Eine Person meldet daraufhin eine Spontanversammlung an. Dies wird unter Erteilung von Auflagen gestattet. Da die mitgeführten Utensilien (Fahnen und Banner) offenkundig dem Charakter einer Spontanversammlung widersprechen, erstattet die Polizei gleichzeitig Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Einige Personen, die offenbar nicht direkt zur JN gehören, haben sich zu diesem Zeitpunkt bereits entfernt. Gegen 11.30 Uhr wird die Versammlung beendet, die verbliebenen Teilnehmer verlassen unter Polizeibegleitung den Versammlungsort. Die meisten von ihnen stammen selbst nicht aus Trebsen, sondern u.a. aus Wurzen. Die Kundgebung der Linken, an der rund 30 Personen teilgnommen haben, wird kurz vor 12 Uhr beendet.

Anlass für die Soli-Kundgebung ist ein gewalttätiger Angriff auf einen linken Jugendlichen bei einer Geburtstagsfeier in einer Kleingartenanlage zwei Wochen zuvor. Auf Seiten der JN-Kundgebung sind auch Personen, die bei diesem Angriff dabei waren. Im Mai haben Neonazis zudem mehrfach eine Familie aus Pakistan in ihrem Haus angegriffen und bedroht.

Trebsen ist seit vielen Jahren eine Hochburg der im Landkreis Leipzig ansonsten mittlerweile bedeutungslosen NPD. Bei der Stadtratswahl 2019 kam die Partei hier noch auf 9,9 Prozent. An der Bundesstraße B107, die sich von Colditz und Grimma kommend durch die Stadt schlängelt und dann weiter nach Bennewitz und Wurzen führt, versammeln sich seit mehreren Monaten jeden Sonntag Pandemieleugner_innen unterschiedlicher Couleur. Dabei präsentieren sie am Straßenrand schwarz-weiß-rote Reichsfahnen und weitere völkische sowie verschwörungsideologische Symbole. Trebsen ist einer der Hotspots dieses "stillen Protests".