Jura-Professor Kern wirbt für Burschenschaften und diffamiert Kritiker_innen

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20.

Oktober
2009
Dienstag

Der Leipziger Jura-Professor Bernd-Rüdiger Kern steht wegen seinem Engagement für Burschenschaften und diffamierenden Äußerungen gegenüber kritischen Studierenden in der Kritik. Der Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Rechtsgeschichte und Arztrecht hat die Kommiliton_innen in einer Vorlesung am 20. Oktober laut einer Pressemittelung des Student_innenrats der Universität (StuRa) als "Kommunistenschweine" beleidigt und des Hörsaals verwiesen. Der Student_innen hatten sich darüber beschwert, dass zu Beginn der Veranstaltung wie auch schon ein Tag zuvor für Veranstaltungen der Burschenschaften Arminia und Normannia geworben wurde.

Der StuRa forderte die Universitätsleitung auf, derartiges Verhalten nicht zu tolerieren und ein dienstrechtliches Verfahren gegen Kern einzuleiten. Am 27. Oktober protestierte eine Gruppe von Student_innen zu Beginn der Vorlesung mit Flyern und Schweinsnasen gegen sein Verhalten. Der Professor reagierte darauf mit den Worten: "Sie haben hier kein Hausrecht, das habe ich und jetzt verschwinden Sie." Er erhielt dabei Unterstützung von Jura-Student_innen, die der Meinung waren, dass ihnen durch den Protest wichtige Zeit für die Pflicht-Veranstaltung verlorengehen würde.

Gegenüber der Zeitung "Student!" meinte Kern im Nachhinein, dass er nicht "Kommunistenschweine" gerufen habe, sondern nur "Kommunisten". Alles andere "würde ja die Schweine beleidigen". Er sehe sich als Ofer einer Rufmordkampagne. Den Leipziger Linken-Vorsitzenden Volker Külow hat Kern mittlerweile wegen Verleumdung angezeigt. Der Landtagsabgeordnete hatte dem Juristen in einer Pressemitteilung "deutschtümelnde Indoktrinationsversuche" und "Werbung für das völkische und menschenverachtende Gedankengut zweifelhafter studentischer Verbindungen" vorgeworfen.

Der Professor, der für die rechtskonservative DSU seit 1999 im Delitzscher Kreistag saß und 2006 für die Partei zur Oberbürgermeisterwahl in Leipzig antrat, ist in der Vergangenheit schon häufiger wegen seiner Nähe zu Burschenschaften aufgefallen. Am 19. Oktober hat er bei der Arminia eine Informationsveranstaltung für Erstsemester durchgeführt.

So ist es wohl kein Zufall, dass der derzeitige Vorsitzende der Leipziger Arminia, Sebastian Schermaul, bei Kern als Hilfskraft beschäftigt ist. Laut "Student!" hat Schermaul bereits während seiner Schulzeit in der Chemnitzer Schülerverbindung "Theodor Körner" mitgewirkt. Zwei seiner damaligen Mitstreiter, Felix Menzel und Benjamin Jahn Zschocke, gründeten 2004 die neurechte Schülerzeitung "Blaue Narzisse". Beide sind heute fester Teil des neurechten Milieus um das "Institut für Staatspolitik" von Götz Kubitzschek. Gegenüber "Student!" sagte Schermaul, dass er mit seinen ehemaligen Schulfreunden kaum noch zu tun habe und nicht wisse, was sie politisch machen.