Kolonial-rassistische Plakatkampagne des BMZ

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15.

Mai
2013
Mittwoch

Seit einigen Tagen hängt an der Rosa-Luxemburg-Straße und an anderen Orten in Leipzig ein Plakat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und wirbt unter dem Titel „The Big Five“ für die „neue deutsche Entwicklungszusammenarbeit“. Es zeigt im Hintergrund den Umriss des afrikanischen Kontinents; im Vordergrund sind fünf Tiere zu sehen: ein Leopard, ein Elefant, ein Büffel, ein Löwe und ein Nashorn. Neben jedem Tier ist ein Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit aufgelistet, u.a.: „Menschenrechte schützen – für Demokratie werben“, „Armut bekämpfen – Wachstum fördern“ und „Rohstoffe sichern – nachhaltig wirtschaften“.

Durch den Rückgriff auf den von europäischen Großwildjägern während der Kolonialzeit geprägten Begriff der „big five“ – jene fünf Tiere, die als besonders gefährlich und schwer zu jagen galten – reproduziert das Plakat kolonial-rassistische Bilder und knüpft an den Gegensatz von europäischer „Zivilisation“ und afrikanischer „Natur“ an. Afrika erscheint wieder einmal als ein von Menschen entleerter Raum, in dem lediglich wilde Tiere leben.

Entsprechend hat das Plakat, das seit Ende April bundesweit an 3.600 öffentlichen Orten zu finden ist, zu heftigem Widerspruch afrodeutscher und antirassistischer Initiativen geführt – bis hin zu Rücktrittsforderungen an Bundesentwicklungsminister Niebel.
Zudem kritisiert etwa Mnyaka Sururu Mboro von Berlin Postkolonial, dass die vermeintlich „neue“ deutsche Entwicklungszusammenarbeit in alten Mustern verharrt: „Was ist neu daran, dass die Deutschen in Afrika ‚Armut bekämpfen’ und gleichzeitig ‚Rohstoffe sichern’ und ihr Wachstum fördern wollen? Dass sie annehmen, mit Jagd- und Fotosafaris könne die ‚Artenvielfalt erhalten’ werden? Was ist neu daran, dass Deutschland seine Vorstellungen von ‚Demokratie’ und seine Modelle der ‚Bildung’ exportieren will? Was ist neu daran, dass Europa vom ‚Schutz der Menschenrechte’ redet, den es afrikanischen Flüchtlingen selbst permanent verweigert?“

Wie neokolonial und unreflektiert die Politik des BMZ nach wie vor ist, hat diese Plakatkampagne wieder einmal sichtbar gemacht.

Zum Weiterlesen:
* Laura Stielike: Wo die Wilden Tiere wohnen. In: analyse & kritik Nr. 583
* PM von AfricAvenir

Quelle: 

AG postkolonial des Engagierte Wissenschaft e.V.; AfricAvenir