Konzert von Neonazi-Kapelle "Kategorie C" erneut verboten

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25.

Februar
2012
Samstag

Bereits zum zweiten Mal wurde in Leipzig ein Konzert der Neonazi-Hooligan-Band "Kategorie C" verboten. Die Kapelle aus dem Raum Bremen wollte im Rahmen einer "Kneipentour" unter ihrem neuem Pseudonym "H.E.R.M." mit einem Balladenprogramm in Leipzig auftreten. Für den Auftritt wurd nur in sozialen Netzwerken geworben, der Konzertort bis zuletzt geheim gehalten. Die antifaschistische Kampagne "Fence Off" hatte dies ein paar Tage zuvor öffentlich gemacht und angekündigt, den Auftritt mit Protest zu begleiten.

Die Stadt Leipzig untersagte daraufhin die Durchführung der Konzertveranstaltung. Dies wurde laut L-IZ vom Ordnungsamt eher unabsichtlich in einer Mail an eine Stadtratsabgeordnete bekannt gegeben. Eine offizielle Stellungnahme der Stadtverwaltung gab es nicht.

Nach dem Verbot war wiederum in sozialen Netzwerken von einer Ersatzveranstaltung zu lesen, die möglicherweise im NPD-Zentrum in der Odermannstraße 8 stattfand. Am Abend wurden dort mehrere Neonazis gesehen. Auch die Polizei beobachtete das Geschehen im Stadtteil Lindenau.

Erst im Januar 2012 hatten "Kategorie C"- bzw. "H.E.R.M."-Fans ihre menschenverachtende Gesinnung wieder einmal offenbart: Während eines Konzerts der Band in Delmenhorst (Niedersachsen) attackierten Konzertbesucher mehrere Jugendliche und verletzten sie schwer.

"Kategorie C" - eine Naziband?

Die Band "Kategorie C" hat eindeutige Schnittmengen mit der Neonazi-Szene in Deutschland. Sie ist nicht nur besonders beliebt bei Neonazis und Hooligans; "K.C." spielte schon mehrfach mit anderen Rechtsrockgruppen bei einschlägigen Neonazi-Events. Als Konzert-Security werden gern bekannte Nazi-Schläger angestellt, wie beispielsweise Anfang 2011 bei einem Konzert in Moskau.

Der Sänger der Band, Hannes Ostendorf, war 1991 an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt. Ostendorfs Bruder war bis Januar 2011 Geschäftsführer des in Riesa ansässigen "Deutsche Stimme"-Verlags der NPD, der unter anderem die gleichnamige Partzeizeitung herausgibt. Auch die Wahl der Labels fällt eindeutig aus: Das "KC"-Album "Hungrige Wölfe" wird durch das Nazi-Label "PC-Records" aus Chemnitz vertrieben.

Sich selbst bezeichnet die Band als "absolut politisch neutral". Mit dieser Schutzbehauptung versucht die Band immer wieder Kritiker_innen zu diskreditieren. Wie "neutral" die Band wirklich ist, lässt sich zum Beispiel an dem rassistischen und nationalistischen Text des Songs »Deutschland dein Trikot« aufzeigen. Der Song wurde im Vorfeld der FußballGlossar-WM 2006 auf dem Sampler »Zu Gast bei UNS« veröffentlicht. Darin heißt es:

»Deutschland dein Trikot. Das ist schwarz und weiß. Doch leider auch die Farbe deiner Spieler. In München, Rom und Bern, da gab’s noch echte Deutsche. Solche Jungs und diese Siege hätten wir jetzt gerne wieder! [...] Deutschland ist der Schlachtruf. Für Deutschland stehen wir alle ein. Doch Deutschland ist nicht die BRD.«

Die CD erschien im Mai 2006 und wurde zwei Monate später wegen der "öffentlichen Aufforderung zu Straftaten sowie Gewaltdarstellungen" bundesweit beschlagnahmt.