Leipzig: rassistisch motivierter Angriff am Hauptbahnhof

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20.

Juni
2011
Montag

Zwei junge schwarze Menschen entgingen am 20. Juni nur knapp einem rassistisch motivierten Angriff. Zwei Männer verfolgten die beiden und attackierten sie ununterbrochen mit schwersten rassistischen Anfeindungen, und zwar inmitten einer großen Menschenmenge an den Straßenbahngleisen direkt vor dem Leipziger Hauptbahnhof.

Die beiden Betroffenen, eine junge Frau und ihr Mann, der sie vom Zug abgeholt hatte, hatten eben den Hauptbahnhof verlassen. Den Betroffenen zu folge liefen sie an der Straßenbahnhaltestelle an zwei jungen Männern vorbei, die plötzlich aufstanden und den beiden folgten. Der junge Mann dachte, die beiden wollten von ihm ein Feuerzeug und bot ihnen dieses an. Einer der Täter schrie: "„Feuer! Feuer! Wollen wir Feuer von dir, N(..)er?! Du sollst verbrannt werden!“ Als die Täter direkt vor den beiden Betroffenen standen, fielen ihnen die mit neonazistischen Motiven versehene Kleidungsstücke auf.

Während die beiden Betroffenen von den laut schreienden Tätern weiter rassistisch entmenschlicht wurden, griff keine_r der an der Haltestelle stehenden Passant_innen ein. Die Betroffenen schildern, dass einige der Menschen, die direkte Zeug_innen des Angriffs wurden, sich wegdrehten und sogar weggingen.

Während der Beschimpfungen versuchten die Betroffenen immer wieder, vor den Angreifern zu fliehen. Offenbar wurde noch eine dritte Person Opfer der enthemmten Rassisten: nach dem Bericht der Betroffenen bedrohten die beiden Täter kurzzeitig einen weiteren nicht-weißen Menschen, wandten sich dann aber wieder dem Paar zu. Die beiden waren bereits in Panik geraten und verpassten so die Gelegenheit, mit einem Taxi zu fliehen. Als sie am Westeingang des Hauptbahnhofs angekommen waren, hatten die Angreifer die Betroffenen wieder eingeholt und waren bereit, körperliche Gewalt gegen die von ihnen minutenlang als Opfer markierten Personen anzuwenden. Einer der Täter zerrte den Betroffenen an der Schulter nach hinten. In diesem Moment intervenierten zwei junge Frauen, die eben aus dem Bahnhofsgebäude kamen; sie stellten sich zwischen Angreifer und Opfer und riefen: "Jetzt reichts!" Die Täter hielten nun Abstand zu den Betroffenen. Kurze Zeit später traf Polizei ein und setzte die Täter fest.

Gegen die Täter läuft eine Anzeige wegen Beleidigung. Weitergehende Ermittlungen wegen §130 (Volksverhetzung) wurden erst später ins Auge gefasst. Die vor Ort anwesenden Polizist_innen kamen nicht auf diese Idee.

Quelle: 

chronik.LE