Leipzig: Todesmärsche-Gedenkort Kamenzer Straße erneut zerstört

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9.

Oktober
2010
Samstag

Der Gedenkort für die Opfer der Todesmärsche im April 1945 in Leipzig-Schönefeld wurde nach einer ersten Schändung am 23. August erneut zerstört. Die Wegezeichen in der Kamenzer Straße 10 wurden entfernt und durch Schilder ersetzt, die nach Buchenwald und Stalingrad weisen, jeweils mit Kilometerangabe. Die Initiatorin des Gedenkortes, die Gruppe "Gedenkmarsch Leipzig", vermutet einen Zusammenhang mit den für den 16. Oktober in Leipzig geplanten Neonazi-Aufmärschen.

Wir dokumentieren die Pressemitteilung der Gruppe "Gedenkmarsch Leipzig":

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Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wurde das Gedenken an die Opfer der Todesmärsche 1945 in der Kamenzer Straße 10 in Leipzig geschändet!

Am 2. Mai 2010, zum 11. Gedenkmarsch zur Erinnerung an die Todesmärsche 1945 in Leipzig, wurden zwei Gedenkorte durch feste „Wegezeichen“ gekennzeichnet. Um die Erinnerung an die vielen Opfer, deren Qualen und deren Tod aufrecht zu erhalten und um ihrer zu gedenken, wurde durch die Gruppe Gedenkmarsch Leipzig und dem Bund der Antifaschisten (BdA) e.V. Sitz Leipzig dieser Gedenkmarsch und die Aufstellung der Wegezeichen organisiert und finanziert, damit auch die historischen Orte in Leipzig vielen BürgerInnen „auffallen“ mögen. Es handelt sich um die Gedenkorte Heiterblickstraße 26/28 und die Kamenzer Straße 10 in Leipzig. Nun ist zum zweiten mal ein Fall für die Polizei daraus geworden.

Denn am 23.08.2010 wurde zum ersten Mal bekannt, dass der Gedenkort Kamenzer Straße 10 durch noch unbekannte Täter geschändet worden ist. Wegezeichen und zugehörige Gedenktafel wurden entfernt und durch ein Haltestellenschild, kombiniert mit einem Panzerschild, ersetzt. Die Organisatoren des Gedenkmarsches halten aufgrund der eindeutigen Ersatzschilder einen politisch motivierten Hintergrund für sehr wahrscheinlich. Die Ermittlungen zu diesem Vorfall wurden nun laut Staatsanwaltschaft ergebnislos eingestellt.

Darauf hin wurde am 25. September das gestohlene Wegezeichen und die dazugehörige Gedenktafel, in Verbindung mit einer Kundgebung vor dem Gedenkort in der Kamenzer Straße, durch die Gruppe „Gedenkmarsch“ - Leipzig und den Bund der Antifaschisten e.V. – Leipzig, wieder errichtet. So soll die Erinnerung an das historisch Geschehene verbunden werden mit noch mehr Wachsamkeit gegenüber heutigen Tendenzen extremer Rechter.

Am 9. Oktober rief der Leipziger Oberbürgermeister auf, die am 16. Oktober geplanten Demos von Neonazis zu verhindern. Er sagte „Wie Sie wissen, wollen an diesem Tag Neonazis in Leipzig demonstrieren. Eigentlich waren vier Demos geplant. Eine von ihnen konnten wir schon verhindern. Jetzt wünsche ich mir, dass die Leipziger auch an diesem Tag wieder auf die Straße gehen und deutlich „Nein“ sagen zum Nationalsozialismus.“

Noch in der selben Nacht vom 9. zum 10.10.2010 wurden in der Kamenzer Straße 10 zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit das Wegezeichen und die zugehörige Gedenktafel entfernt und so der Gedenkort geschändet. Anstelle des Wegezeichen und die zugehörige Gedenktafel wurden dieses Mal zwei Zeichen mit der Bezeichnung „Buchenwald“ und „Stalingrad“ und die entsprechende Kilometerangabe angebracht. Damit die Reparatur nicht „reibungslos“ vonstatten gehen kann, wurden die Schellen und Schrauben mit Teer überzogen, so dass neben dem moralischen auch der materielle Schaden für den Verein ein größerer wurde. Die Befestigungsstange musste gekürzt werden und entspräche nun bei neuem Anbringen nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften.

Angesichts der bevorstehenden Demonstrationen von Neonazis in Leipzig liegt die Vermutung nahe, dass dieser Vorfall gezielt initiiert wurde.