Leipziger Honorarprofessor und Unternehmer provoziert in Passau mit Nazivergleich

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20.

Januar
2012
Freitag

Während eines mit "Klima und Energie – zurück zur Vernunft" überschriebenen Vortrages bei einem studentischen Ableger der neoliberalen Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft an der Universität Passau hat der Leipziger Physiker Knut Löschke mit einem Nazi-Vergleich provoziert. Laut Süddeutscher Zeitung gipfelt der Vortrag des an der Leipziger HTWK als Honorarprofessor lehrenden Löscke "in einem Vergleich des Welt-Klimarats der Vereinten Nationen mit einer Diktatur - unterlegt mit Fotos von Nazis beim Hitler-Gruß." Die Theorien vom menschengemachten Klimawandel und deren Vermittlung im Unterricht würden ihn an die "faschistische und stalinistische Propaganda-Strategie der Volksbildung" erinnern, so der Gründer des Leipziger Unternehmens PC-Ware. Löschke ist zudem Mitglied im Hochschulrat der TU Dresden und im Innovationsrat der sächsischen Staatsregierung, außerdem sitzt er in den Aufsichtsräten des Uniklinikums Leipzig und der Deutschen Bahn.

Ein studentischer Senator der Uni Passau äußerte sich laut SZ entsetzt darüber, dass Löschke "auf dieser Ebene argumentiert und Gegenmeinungen als faschistisch darstellt". Selbst der Organisator der Vortrags sagte gegenüber der Passauer Neuen Presse: "Ich hätte diesen Vergleich so nicht angestellt", da dieser "die Gefühle anderer verletzen" könnte. Inhaltlich teile er jedoch dessen Position, so der MBA-Student, der über den Vortrag und die Reaktionen darauf selbst in der neoliberal/rechtslibertär auftretenden Querfront-Zeitschrift "eigentümlich frei" berichtete.

Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag bezeichnete Löscke aufgrund seines Auftritts in Passau als "untragbar für eine öffentliche Funktion". Wirtschaftsminister Morlok (FDP) wird aufgefordert, den Unternehmer unverzüglich aus dem Innovationsrat der Staatsregierung abzuberufen.

Für den 25. Mai ist bereits der nächste Vortrag des Hayek-Clubs Passau angekündigt. Wieder geht es um Klimapolitik, wieder spricht ein Leipziger: Der Europabgeordnete und FDP-Stadtvorsitzende Holger Krahmer.