LVZ druckt Anzeige eines verschwörungstheoretischen Verlags

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16.

Mai
2020
Samstag

In der Leipziger Volkszeitung wird eine Anzeige für die "Ketzer-Briefe" des Ahriman-Verlags abgedruckt. Inhaltlich widmen sich die Beiträge der Ausgabe einer angeblichen "Klimalüge", der Unverhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen sowie dem "US-Megakapital und Corona". Der Corona-Virus wird als "Vorwand" bezeichnet, ein weiterer Beitrag stellt eine angebliche "Gleichschaltung durch die Konzerne" fest.

Statt einer sachlichen Kritik an der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen und ihrem Spannungsfeld zu individuellen Einschränkungzu übewn, versteigen sich die Überschriften der Beiträge in Vermutungen und Verschwörungen.

In einem Artikel, der direkt neben der Anzeige in der Printausgabe steht und von den Folgen der Corona-Krise für die Verlagsbranche handelt, äußert sich Nora Pester, die Verlegerin des Hentrich & Hentrich Verlags für jüdische Kultur und Zeitgeschichte, zu ihren Befürchtungen gegenüber dem Auswirkungen antisemitischer Verschwörungstheorien.

Auf Twitter distanziert sich die LVZ-Redaktion von der Anzeige. Zudem soll überprüft werden, wie sie in die Ausgabe kam und wie eine Wiederholung ausgeschlossen werden kann.

Der Ahriman-Verlag wurde 1982 gegründet und hat seinen Sitz in Freiburg. Unter dem Motto „Unser Programm ist die Wiederkehr des Verdrängten“ liegt der Schwerpunkt des Verlages u.a. bei „klassischer Psychoanalyse und orthodoxem Marxismus“. Obwohl sich der Verlag selbst links verortet, fallen seine Publikationen u.a. durch Antiamerikanismus und Antisemitismus auf. Der Verlag solidarisierte sich in einer Erklärung mit den rechten Verlagen auf der Frankfurter Buchmesse. So heißt es in der Erklärung in klassischer Täter-Opfer-Umkehr: „zum ersten Mal seit 1933 sind auf der letzten Frankfurter Buchmesse Verleger physisch bedroht, Verlage überfallen und Bücher vernichtet worden. Vielleicht waren auch Sie Zeugen solcher Szenen, die plastisch veranschaulichten, wie es im unmittelbaren zeitlichen Vorfeld der "Machtergreifung" der Nazis zugegangen sein mußte. Auch diesmal waren die Täter dazu ermutigte staatsalimentierte Schläger, jetzt der "Anti"FA, und staatsnahe bis -eigene "NGO"s an der langen Leine des US-Milliardärs Soros (Amadeu Antonio Stiftung etc.).“

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