Männergruppe greift in Großzschocher Wagenplatzbewohner_innen und Passant_innen an

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21.

Mai
2020
Donnerstag

Am Abend des sogenannten „Männertags“ greifen in Großzschocher, in der Nähe des Cospudener Sees, vier Personen die Bewohner_innen eines Wagenplatzes sowie Passant_nnen körperlich und verbal an und bedrohen diese mehrfach. Der Verlauf wird nachfolgend dokumentiert und zeigt dabei die menschenverachtende Dimension und politische Motivation des Angriffes. Hierbei kommt es zur expliziten Schilderung von Gewalterfahrungen.

Zunächst verschaffen sich die vier Männer unerlaubt Zutritt auf das Privatgelände und attackieren einen Bewohner, indem ihn einer der Angreifer von vorne festhält und zwei andere ihm von hinten auf den Nacken schlagen. Durch lautes Schreien macht der Angegriffene auf sich aufmerksam, woraufhin mehrere Wagenplatzbewohner_innen und Passant_innen zur Hilfe eilen, während sich die anwesenden und teilweise weinenden Kinder in den Wägen und hinter Bäumen verstecken. Es kommt zu einer lautstarken Auseinandersetzung. Die vier Männer, offenbar stark alkoholisiert, zeigen sich äußerst aggressiv, beleidigend und gewaltbereit. Sie beschimpften alle anwesenden Frauen sexistisch als „Nutten“ und „Huren“, „die in Polen für’n fünfer den Männern einen blasen“. Eine Anwesende wird mit den Worten angegangen: „Scheiß Fotze, guck mir nicht ins Gesicht“. Einem Mann schlägt ein Angreifer unvermittelt ins Gesicht.

Auf die Frage, was sie hier überhaupt suchen, sagt ein Angreifer in vergleichsweise ruhiger, aber dadurch besonders bedrohlich wirkender Tonlage: „Besuchen? Ihr habt doch hier noch gar keinen Besuch gekriegt. Wir schicken euch mal Besuch vorbei heute Abend, dann könnt ihr mal sehen, wie das aussieht. Was meint ihr wie das brennt. Das brennt wie Zunder eure Scheiß Hütten.“ Weiterhin äußert er beleidigend und sozialdarwinistisch: „Wir gehen arbeiten ihr scheiß Pisser, und ihr scheiß Assis lebt von unserem Geld.“

Nach und nach gelingt es, die Angreifer gewaltfrei hinter das Tor zurück zu drängen und dieses schnell zu schließen. Die vier Männer versuchen noch mehrfach wieder einzudringen, was nur mit Mühe abgewehrt werden kann. Zwei Personen aus einer benachbarten Kleingartenanlage kommen hinzu und versuchen die vier Männer dadurch zu beschwichtigen, dass die Wagenplatzbewohner_innen alle ganz nette Menschen seien, die man schon lange kenne und es noch nie Probleme gab. Daraufhin lassen die Männer vom Tor und den Wagenplatzbewohner_innen ab und einer droht der Hinzugekommenen Prügel an und sagt, dass sie „mit ihrem einem Meter fünfzig ihre Schnauze halten solle“ und es ihm scheiß egal sei. Anschließend äußert er sich erneut abwertend gegenüber den Wagenplatzbewohner_innen und dass er „ein ehrlicher Arbeiter“ sei, während die „scheiß Assis“ den ganzen Tag nur abhängen würden. Anschließend versucht einer der Männer erneut durch das Tor einzudringen, was ihm jedoch nicht gelingt. Relativ unvermittelt lassen die Angreifer dann ab und fahren davon. Später trifft die hinzu gerufene Polizei ein. Sie nimmt die Schilderungen auf, kann die Täter aber nicht mehr ausfindig machen.

Eine Zeugin schildert im Nachhinein, dass bei dem Angriff „echt viele Leute an dem Szenario vorbei gefahren sind, ohne zu halten, zu fragen, was passiert oder überhaupt irgendwie Aufmerksamkeit auf das Geschehene zu lenken. Das war neben der gewaltvollen Erfahrung wahrscheinlich die Schlimmste an dem Ereignis.“

Quelle: 

chronik.LE