Nazi-Parolen an vietnamesischem Geschäft und weiteren Gebäuden in Trebsen

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13.

Dezember
2008
Samstag

In der Nacht zum Samstag haben Unbekannte laut einem LVZ-Bericht neonazistische und fremdenfeindliche Parolen und Zeichen an sechs Gebäude und einen Zigarettenautomaten in Trebsen sowie den Ortsteilen Seelingstädt und Altenhain gesprüht. Laut Polizei wurde zum Anbringen der Schmierereien im Ausmaß von etwa 40 bis 50 Zentimetern in allen Fällen die gleiche schwarze Lacksprühfarbe verwendet. In die Ermittlungen sei auch der Staatsschutz eingeschaltet.

Nach Ansicht der Trebsener Stadträte richteten sich die Parolen in zwei Fällen offenbar gezielt gegen Privatpersonen: einen vietnamesischen Gemüsehändler in Trebsen sowie eine deutsch-syrische Familie im Ortsteil Seelingstädt. Daneben fanden sich die Schmierereien unter anderem am Feuerwehrgerätehaus in Trebsen, an zwei Wohnhäusern in Seelingstädt und am ehemaligen Altenhainer Jugendklub sowie dem Bahngelände des Dorfes.

An der Fassade des vietnamesischen Händlers am Wurzener Platz in Trebsen, der seit zehn Jahren im Ort ansässisg ist, hatten die Täter in großen Lettern "Ausländer raus" sowie "Deutschland den Deutsen" (sic!) gesprüht. In Seelingstädt wurde ein Trafohäuschen gegenüber der Wohnung einer deutsch-syrischen Familie mit der Parole "Deutschland den Deutschen" besprüht. Andere Losungen lauteten: „Heil dir Germania“ und „Steht zum Führer“. Stadtverwaltung und Hauseigentümer haben Anzeige erstattet. Die Schmierereien wurden inzwischen entfernt oder zumindest mit Farbe überdeckt.

Die aus Vietnam stammende Angestellte des Händlers in Trebsen berichtete der LVZ davon, dass sie solchen Übergriffen bereits von Anfang an ausgesetzt sei. "Schon kurze Zeit nach der Eröffnung wurden uns die Scheiben eingeschlagen. Bis heute haben ich und meine zwei Kinder keine Ruhe vor denen", so die Frau. Erst vor wenigen Wochen hätten Jugendliche ihren kleinen Sohn ohne Grund vor dem Geschäft bedroht.

Bei der Sitzung des Stadtrates wiesen einige Abgeordnete darauf hin, dass die seit langem im Rat vertretene NPD in Wahlkampfzeiten ähnliche Losungen plakatiere. NPD-Stadtrat Andreas Hufnagel verwahrte sich jedoch dagegen, mit den Schmierereien etwas zu tun zu haben: "Ich ziehe mir diese Hose nicht an", sagte er laut LVZ. Er vermute hinter den Parolen eine Aktion derer, die die Partei vor den Wahlen im nächsten Jahr "in den Dreck ziehen wollen".

Quelle: 

LVZ/MTL vom 15. und 17.12.2008, NDK Wurzen, Chronikeintrag vom 13.12.2008