Nazis marschieren am Volkstrauertag ungestört mit Fackeln und Trommeln durch Wurzen

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

16.

November
2008
Sonntag

Zum Volkstrauertag ist wieder eine große Gruppe Nazis durch Wurzen marschiert. Wie im Vorjahr sind die Beteiligten, die sich kurz vor 18 Uhr auf dem Jacobsplatz sammeln, mit Trommeln, Fackeln und schwarz-weiß-roten Fahnen ausgestattet. Die Polizei gibt die Zahl der "dem rechten Spektrum zuzuordnenden Demonstranten" lediglich mit 50 an. Laut Augenzeugen sind es jedoch etwa 80 bis 100 Personen, darunter auch der NPD-Kreisvorsitzende Marcus Müller und der ehemalige DSU-Kreischef Peter Köppe, der bei den Kreistagswahlen im Juni für die NPD kandidiert hatte.

Die Nazis laufen vom Jacobsplatz aus in Zweierreihen durch die Innenstadt (Badergraben, Wenceslaigasse, Dresdener Straße/B6) bis zum sogenannten Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof am Bahnhof. Hier werden drei Kränze niedergelegt, davon einer im Namen der NPD Muldentalkreis. Zudem werden Reden gehalten, in denen laut LVZ "die gefallenen Soldaten als Helden glorifiziert" und die Bombardierung deutscher Städte durch die Allierten als "verbrecherischer Akt" bezeichnet werden. Ein Teilnehmer habe Passagen aus alten Feldpostbriefen zitiert, ein weiterer auf einer Mundharmonika gespielt.

Die von AnwohnerInnen verständigte Polizei rückt erst am Ende der Veranstaltung gegen 18.30 Uhr mit mehreren Fahrzeugen in Wurzen an. Die OrdnungshüterInnen waren auf spontane Aktionen der Nazis in Oschatz eingestellt. Dort hatte die NPD Nordsachsen eine Demonstration zum "Heldengedenken" angemeldet, diese nach der Ankündigung von Protesten und dem Verhängen harter Auflagen aber wieder zurückgezogen. Laut LVZ werden noch im Park die Personalien einiger Demonstranten aufgenommen. Der Chef der Polizeidirektion Westsachsen, Jürgen Georgie, kündigt an, dass nun wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt werde, da die Demonstration in Wurzen nicht angemeldet gewesen sei.

Oberbürgermeister Jörg Röglin berichtet von zahlreichen Anrufen, in denen sich Wurzener BürgerInnen am Abend schockiert über den Aufmarsch äußerten. Er kündigt an, sich dafür einzusetzen, dass die demokratischen Kräfte im nächsten Jahr "solch einen Spuk nicht zulassen."