Neonazis beteiligen sich an Oschatzer Stadtlauf gegen Rassismus

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17.

März
2013
Sonntag

Am Sonntag fand der dritte Oschatzer Stadtlauf statt. Die öffentliche Sportveranstaltung war in diesem Jahr Teil der Kampagne "Oschatz steht auf" im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Mit veschiedenen Veranstaltungen sollte dabei ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz, Antisemitismus und jegliche Form von Rassismus gesetzt werden. Konterkarriert wurde dieses Anliegen jedoch durch die Beteiligung von Neonazis an dem vom Lauf- und Radsportclub Mittelsachsen e.V. organisierten Lauf.

Mit auf die 1,8-Kilometer-Strecke ging u.a. der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN), Jens Gatter, der für die NPD zudem im Gemeinderat von Liebschützberg und im nordsächsischen Kreistag sitzt. Unklar ist, ob die Veranstalter_innen mit der Teilnahme des Jungnazis kein Problem hatten oder ob Gatter trotz seiner Ämter und diverser öffentlichkeitsheischender Aktionen wie dieser in Oschatz immer noch nicht erkannt wird. Als Verein hatte der NPD-Mann den Liebschützberger Ortsteil "Wellerswalde" angegeben. Im dortigen "Heimatverein Wellerswalde e.V." ist er auch offiziell aktiv. Gatter landete schließlich auf dem dritten Platz, direkt hinter einem weiteren "Kameraden" aus Oschatz.

Auf der Internetseite der NPD Nordsachsen sowie des NPD-Landesverbandes freuten sich Gatter und sein Mitläufer hinterher darüber, dass sie in Oschatz für "nationale Identität und gegen deutschen Selbsthaß" laufen konnten. Fotos zeigen die beiden NPD-Laufburschen in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift "Identität" vor einem Plakat der "Wir stehen auf"-Kampagne sowie mit einer JN-Fahne.

Gatter hat sich bereits mehrfach an solchen bestenfalls gut gemeinten Benefiz-Veranstaltungen beteiligt und seine vermutlich unbemerkte Teilnahme im Nachhinein propagandistisch ausgeschlachtet. So beteiligte er sich ein halbes Jahr zuvor unter anderem mit dem JN-Landesvorsitzenden Paul Rzehaczek aus Eilenburg an einem Benefiz-Schwimmen in Eilenburg. Seinen größten "Coup" landete Gatter bei einem vom Sächsischen Inneministerium organisierten "Schwimmen für Demokratie und Toleranz" am 17. September 2011 in Zwickau. Auch dabei schwamm Gatter mit und ließ sich bei dieser Gelegenheit zusammen mit Staatssekräter Michael Wilhelm sowie der Zwickauer Oberbürgermeisterin ablichten.