NPD echauffiert sich über Demokratiepreis für den Roten Stern Leipzig

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9.

November
2009
Montag

Der Sport- und Kulturverein Roter Stern Leipzig '99 e.V. (RSL) wurde am 9. November mit dem zum dritten Mal verliehenen Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet. Die Jury ehrte damit das langjährige Engagement des Vereins gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen von Diskriminierung. Die NPD-Fraktion im sächsischen Landtag hält dies nicht für preiswürdig, da der RSL ihrer Ansicht nach Teil eines "linken Sumpfes" ist.

"Mit der Auszeichnung wird der Bock zum Gärtner gemacht", echauffierte sich der Abgeordnete Arne Schimmer in einer Pressemitteilung. Mit dem unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Stanislaw Tillich stehenden Preis werde "die finanzielle Gießkanne über dem linken Sumpf der Leipziger Szene ausgeschüttet, damit diese blühe und gedeihe". Zur Begründung zitiert Schimmer eine mehr als acht Jahre alte Einschätzung des damaligen CDU-Innenministers Klaus Hardrat. Der Rote Stern war im Jahr 2000 kurzzeitig ins Visir des Verfassungsschutzes geraten, weil der Verein laut Hardrat "seine politische Arbeit als eine seiner Hauptaufgaben" ansieht.

Einen weniger lange zurückligenden Vorfall hält Schimmer dagegen aus naheliegenden Gründen für nicht erwähnenswert: Ende Oktober hatten Neonazis Fans und Spieler des Vereins bei einem Auswärtsspiel in Brandis brutal angegriffen. Unter den Angreifern waren laut Beobachter_innen auch Mitglieder und Sympathisanten der NPD.

Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro will der RSL nun laut einem Vereinssprecher für seine Jugendarbeit und weitere Projekte gegen Diskriminierung im Fußball verwenden. Neben dem Roten Stern wurden in diesem Jahr auch die Vereine Medinetz aus Dresden und Hillersche Villa aus Zittau mit dem Sächsischen Demokratiepreis ausgezeichnet. Dieser wurde von der Amadeu-Antonio-Stiftung, der Freudenberg-Stiftung, der Stiftung Frauenkirche Dresden sowie der Kulturstiftung der Dresdner Bank ausgelobt.