Poggenburg in Connewitz - diesmal wirklich

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23.

November
2019
Samstag

Der ehemalige AfD-Politiker André Poggenburg führt eine einstündige Kundgebung in Leipzig-Connewitz durch. Dies ist in diesem Jahr bereits der sechste Versuch im Leipziger Süden eine Versammlung durchzuführen. (Vgl. Chronik-Beiträge zum 12. Februar 2019, 01. Mai 2019, 05. Juni 2019, 17. Juli 2019 und 21. August 2019).

Poggenburg war Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt und geriet nach einer Rede zum politischen Aschermittwoch unter Druck und trat aus der AfD aus. Bis vor kurzem war er Vorsitzender der neugegründeten Partei "Aufbruch der Patrioten Mitteldeutschland" (AdPM, vorher AdP). Als sich kurz vor der Landtagswahl im September 2019 ein Wahldebakel abzeichnete, wollte er zur Wahl der AfD aufrufen und die AdPM auflösen, scheiterte damit allerdings am Widerstand der eigenen Parteimitglieder. Seitdem ist er ohne Partei unterwegs.

Die Kundgebung steht unter dem Motto "Ja zu Leipzig! Nein zum Linksextremismus" Ein entsprechendes Plakat mit Antifa-Logo hinter Gittern wird in Richtung der Gegendemonstrant_innen gezeigt.

Die Kundgebung findet in der Leipziger Brandstraße in der Nähe vom offenen Projekt- und Abgeordnetenbüro Linxxnet statt.

Neben Poggenburg nehmen insgesamt neun Personen an der Kundgebung teil. Anwesend ist u.a. Alexander Kurth (ehemals NPD, Die Rechte, Thügida/Wir lieben Sachen, Republikaner), welcher seit neustem das Projekt Ungetrübt Media verantwortet.

Die Kundgebung wird von Egbert Ermer (ehemals AfD, ehemals AdPM) eröffnet. Dieser will die Flagge für das Bürgertum hochhalten und verortet sich selbst in der Mitte der Gesellschaft. In seiner Rede arbeitet er sich am "Linksextremismus" und dem Gegenprotest ab. Dieser und die laute Musik von Anwohner_innen bringen ihn sichtlich aus dem Konzept. Seine rhetorische Abgrenzung auch von "Rechtsextremismus" kann mit Blick auf seine Rede sowie die anwesenden Teilnehmenden der Kundgebung nur als Farce gedeutet werden. Im historischen Vergleich zwischen internationalem Sozialismus (Ermer: 100 Millionen Tote) scheint nach Ermer der Nationalsozialismus (Ermer: 50 Millionen Tote) weit weniger mörderisch zu sein. Eben daher widmet sich Ermer in seinen weiteren Ausführungen lediglich "linken Ideologien" die Menschen ins Verderben stürzen würden. Dabei darf natürlich ein Bezug zu Nordkorea nicht fehlen.

Poggenburg arbeitet sich ebenfalls am "Linksextremismus" und dem Gegenprotest ab. Dem Linxxnet unterstellt er ein "Agitationszentrum" für "linke Hetze" zu sein. Hier säßen die "Köpfe und Strategen". Seine Argumentation richtet sich weiterhin gegen die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel. Auch er sieht - im historischen Vergleich - die meisten Todesopfer beim dubiosen "Linksextremismus". Weiterhin versucht er Linken ihre falsche Kapitalismuskritik zu erklären, diese würde den Weg für "Turbokapitalismus und Imperialismus" bereiten. Insgesamt wirkt seine Rede sehr ähnlich der der letzten am 21.08.2019 am Rande von Connewitz.

Zwischen den beiden Reden werden Lieder verschiedener Interpreten abgespielt, darunter:
* Andreas Gabalier: der rechte Schlager-Musiker aus Österreich füllt Hallen; Hintergrundinfos bei Vice
* eine Version von "Deitsch on frei wolln mer sei " des erzgebirgischen Volksdichters Anton Günther welcher immer wieder durch Rechte vereinnahmt wird
* Chris Ares: rechter Rapper mit Nähe zur Identitären Bewegung; Hintergrundinfos bei Spiegel TV

Quelle: 

chronik.LE