Rassistische Aktion auf Thomaskirchhof

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8.

November
2019
Freitag

Der Leipziger Ableger der »Identitäre Bewegung« (IB) gibt sich betont bemüht, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Dafür boten sie alle noch zur Verfügung stehenden kreativen Kapazitäten auf und durchforsteten die Mottenkiste des identitären Aktionismus. Alexander "Malenki" Kleine postete bereits kurz nach der Aktion ein Foto dieser auf seinem Twitterkanal, nichtsdestotrotz blieb es nur bei der Bemühung um öffentliche Wahrnehmbarkeit.

So unspektakulär die Aktion auch war, so rassistisch gab sie sich dennoch. Auf dem Thomaskirchhof wurde für ein schnelles Foto und ein paar Likes bzw. Retweets für 2020 eine "Invasion" Geflüchteter prophezeit - oder geradezu herbeigesehnt, um den Bedeutungsverlust und Niedergang, welchen die IB aktuell erfährt, zu begegnen.

Dargestellt wurde dabei ein Boot, auf dem drei schwarze Geflüchtete zu sehen sind, die Rettungswesten tragen und mit einem Messer bewaffnet sind. Alle drei trugen eine Maske, die als so genannter "Fucken"-Meme Bekanntheit erlangte. Ausgangspunkte für das rassistische Meme war ein sterotypisiertes Phantombild eines schwarzen Mannes, durch welches sich die Mannheimer Polizei einen Fahndungserfolg versprach.

Mit der Aktion suggerierte die »Identitäre Bewegung«, wonach schwarze (geflüchtete) - folglich als "fremd"-wahrgenommene - Männer potenzielle Vergewaltiger und eine Bedrohung für weiße Frauen seien. Hierbei knüpfen sie an kolonialrassistische Bilder schwarzer Männer, die als hypersexualisiert, triebhaft und gewalttätig dargestellt werden an.

Wochenlang war die IB aktionistisch inaktiv. Am 8.11. trat sie in #Leipzig mit ihrer wohl rassistischsten, öffentlichen Aktion bisher in #Deutschland, wieder in Erscheinung. Ihre Darstellung Schwarzer Geflüchteter steht für Menschenverachtung & Rassismus.

Die "Identitäre Bewegung" kommt ursprünglich aus Frankreich und ist seit 2012 auch in Deutschland vertreten. Ihre Ideologie begründet sich dabei im Ethnopluralismus. Diese kulturrassistische Argumentation geht davon aus, dass es unterscheidbare und homogene Kulturkreise gäbe, die durch Migration bedroht seien. Die "Identitäre Bewegung" tritt betont jugendlich und popkulturell auf, ihre rassistischen und islamfeindlichen Positionen werden dabei aktionistisch verpackt. Sie treten außerdem besonders im Internet in Erscheinung. Mehr Infos auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (2014).

Rassismus auf Basis kultureller Zuschreibungen stellt die moderne Variante klassisch-rassistischer Ideologie dar, welche nach 1945 gesellschaftlich verpönt ist.