Razzia bei der "Terror Crew Muldental"

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27.

Juli
2011
Mittwoch

Die Polizei hat am 27. Juli mehrere Wohnungen mutmaßlicher Mitglieder der neonazistischen “Terror Crew Muldental” (TCM) durchsucht. Gegen die Gruppierung wird laut GAMMA wegen “Bildung einer kriminellen Vereinigung” ermittelt. Offenbar wurde umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt.

Wie das LKA anderthalb Tage später vermeldet, seien insgesamt “31 Objekte im Bereich der Polizeidirektionen Oberes Elbtal-Osterzgebirge und Westsachsen durchsucht” worden, unter anderem in Wurzen. Im Fokus der Ermittlungen stünden 22 Beschuldigte zwischen 18 und 30 Jahren. Neben Sturmhauben seien bei ihnen Präzisionsschleudern, Messer, Pyrotechnik und CDs sowie Handys und Computer sichergestellt worden.

Laut LVZ geht der Verfassungsschutz von etwa 30 Mitgliedern aus, der MDR mutmaßt jedoch, dass dieser "Kern" bis zu 100 Personen mobilisieren könne. Einige Mitglieder sitzen derzeit Haftstrafen u.a. wegen Körperverletzungsdelikten ab. TCM-Mitglieder waren wiederholt an gewalttätigen Angriffen beteiligt, so auch am bewaffneten Überfall auf Fans und Spieler des Roten Stern Leipzig am 24. Oktober 2009 in Brandis.

Nachdem eine TCM-Mannschaft Mitte Juni 2011 an einem “nationalen Fußballturnier” teilgenommen hat, zu dem das “Freie Netz” mit Unterstützung des NPD-Landesverbandes aufgerufen hatte, berichtete das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) auf seiner Website am 7. Juli über die TCM. Der Bericht enthielt den beiläufigen Hinweis, dass gegen TCM-Mitglieder wegen “Bildung einer kriminellen Vereinigung” nach Paragraph 129 StGB ermittelt wird.

Der entscheidende Satz wurde kommentarlos gelöscht, nachdem die Presse darüber berichtete und mit Hinweis auf die LfV-Mitteilung über ein mögliches TCM-Verbot spekulierte. Offenbar aus Angst vor drohenden Hausdurchsuchungen verbreiteten Neonazis u.a. über “Twitter” die Aufforderung, Wohnungen “aufzuräumen”. Durch den “versehentlichen” Tipp des LfV hatte die TCM für die nun durchgezogenen Razzien eine Vorwarnzeit von drei Wochen. Offen ist, ob das zuständige sächsische Innenministerium tatsächlich und immer noch ein Verbot anstrebt: Womöglich sind entscheidende Beweismittel in der Zwischenzeit aus den betroffenen Wohnungen entfernt worden. Laut einer Meldung von LVZ-Online habe der Verfassungsschutz den Vorwurf zurückgewiesen, die Ermittlungen gegen die TCM verraten zu haben.

Quelle: 

Gamma-Meldung vom 27.07.2011, Twitter-Meldung des neonazistischen "Freien Netzes" bzw. "JN Muldental" von 27.07.2011, Pressemitteilung des LKA Sachsen vom 28.07.2011, MDR-Online vom 28.07.2011, LVZ-Online vom 28.07.2011, L-IZ vom 29.07.2011, LVZ/MTL vom 29.07.2011