Roter-Stern-Gastspiel in Schildau: Polizei nimmt Neonazis fest

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

12.

Mai
2010
Mittwoch

Mit rechten Transparenten und Parolen hat eine Gruppe von etwa 60 Neonazis beim Bezirksklasse-Fußballspiel des TSV 1862 Schildau (Landkreis Nordsachsen, zwischen Torgau und Wurzen) gegen den Roten Stern Leipzig (RSL) die angereisten Fans und eine Auseinandersetzung mit der Polizei provoziert.

Bereits vor Spielbeginn hatte sich eine Gruppe von etwa 40 Neonazis auf dem Schildauer Marktplatz getroffen und wurde dort von der Polizei festgesetzt. Nach dem Anpfiff wurde die Gruppierung dennoch zum Spielfeld geleitet. Dort entrollten die Personen am Geländer vor den übrigen 150 Schildau-Fans ein Transparent mit der Aufschrift "Love Football – Hate Roter Stern" – eine Anspielung auf den Slogan "Love Football – Hate Racism", der auf unter anderem rassistische Diskriminierung bei Fußballspielen hinweisen soll.

Diese blieb auch in Schildau nicht aus: Die Neonazis, von denen laut Leipziger Volkszeitung "eine größere Anzahl aus der Kleinstadt stammt", skandierten Parolen wie "Rotfront verrecke", "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen" und "Wir sind Lokisten, Mörder und Faschisten".

Die Urheber_innen gaben sich auf einem zweiten Transparent zu erkennen, das mit schwarz-weiß-roten Wappen und der Aufschrift "Schildauer Jungs" versehen war. Dabei handelt es sich um eine neonazistische Kameradschaft, in der seit Jahren der Kern der rechten Szene im Ort organisiert ist. In deren Tross befand sich beim Spiel auch der Wurzener Michael W., der bereits am Überfall auf Fans des RSL am 24. Oktober 2009 in Brandis beteiligt gewesen sein soll. Laut Augenzeug_innen war zudem Thomas P. vor Ort - der Schildauer ist bekannt als Inhaber eines ebenfalls in Wurzen (Landkreis Leipzig) ansässigen Neonazi-Versandhandels.

Einzelne Neonazis versuchten während des Spiels wiederholt, zu den RSL-Fans am gegenüberliegenden Spielfeldrand zu gelangen. Zur Eskalation kam es erst mit dem Abpfiff: Nach dem 1:0-Sieg des RSL bewarfen Neonazis die Polizei mit Bierbechern und versuchten, gewaltsam durch die Reihe aufgestellter Polizist_innen aufs Spielfeld durchzubrechen. Die Polizei, die mit einer Hundertschaft vor Ort war, verhinderte dies unter anderem durch den Einsatz von Reizgas. Dadurch wurden laut Augenzeug_innen auch zwei Polizeibeamte verletzt. Bei dem Einsatz wurden neun Schildau-"Fans" vorläufig fest- und ein weiter in Gewahrsam genommen.

Im Anschluss versammelten sich wenige hundert Meter vom Stadion entfernt erneut etwa 20 Neonazis. Sie beschimpften die abreisenden RSL-Fans, wurden aber wiederum von der Polizei zurückgehalten. Schon im Vorfeld der Partie gegen den RSL riefen Neonazis ihre Klientel dazu auf, zum Spiel gegen den "Zeckenverein" nach Schildau zu kommen: "Wer Schildau kennt, ist herzlich eingeladen", hieß es verheißungsvoll auf einer neonazistischen Website.