Sexistischer Verbalübergriff am Connewitzer Kreuz

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2.

Februar
2014
Sonntag

Am Sonntag Abend wurde eine junge Frau am Connewitzer Kreuz aus einer Gruppe von drei Männern heraus verbal bedrängt. Eine Person näherte sich der Betroffenen und schrie sie unvermittelt mit den Worten "Ey wollen wir ficken?" an. Als die Betroffene ihre Abneigung deutlich machte, bekam sie die Aufforderung erneut zu hören.

Diese Alltäglichkeit der Anmaßungen, sexuelle Handlungen an Frauen* jederzeit und auch öffentlich einzufordern bzw. diese als ein "männliches Vorrecht" zu betrachten, wird in der feministisch-emanzipatorischen Theorie unter dem Begriff "rape culture" kritisiert.

Das Konzept der "rape culture" beschreibt ein gesellschaftliches Klima, in dem sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen permanent produziert und gleichzeitig unsichtbar gemacht werden. Das Konzept wird in verschiedenen, akademischen und politisch-feministischen Zusammenhängen unterschiedlich definiert.

Die vorherrschende Objektivierung und Sexualisierung von Frauen* (z.B. in den Medien oder im Alltagsdiskurs) führt dazu, dass manche Männer nicht in der Lage sind, mit Frauen* anders als sexuell motiviert zu interagieren. Die in der sexistischen Deutung angenommene, und in der gesellschaftlichen Praxis reproduzierte, Initiative von Männern, bei gleichzeitiger Passivität, Abwehr bzw. Duldung durch Frauen legitimiert bei ersteren den Abbau von Hemmungen, was nicht selten so weit geht, wie in dem Vorfall am Sonntag oder gar darüber hinaus. Für Frauen*, bzw. jene Menschen, die diese geschlechtlich Zuschreibung erfahren, bedeutet das deren Missachtung als denkende und selbstbestimmte Menschen, beinhaltet aber auch die Bedrohung durch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung.

Feministische Initiativen wie der Slutwalk, Awareness Gruppen und Definitionsmacht-Diskussionen versuchen hier seit Jahren ein Gegengewicht zu schaffen.

Der Kurzfilm Walking Home der US-amerikanischen Filmemacherin Nuala Cabral ist ein bewegendes Dokument der alltäglichen sexistischen Zumutungen das sich der, für nicht Betroffene mitunter schwer zu fassenden Thematik narrativ und autobiografisch annähert.

Quelle: 

Betroffene