Torgau: Nazi-Aufmarsch zum Elbe Day

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27.

April
2013
Samstag

Drei Jahre nach ihrem letzten Versuch marschierten am Sonnabend wieder Neonazis anlässlich des "Elbe-Days" in Torgau auf. In der nordsächsischen Kreisstadt wird jährlich am letzten Wochenende im April an die Begegnung von sowjetischen und US-amerikanischen Truppen zum Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 erinnert. Bei dem Auflauf 2010 hatte der nordsächsische NPD-Vorsitzende Maik Scheffler angekündigt, in den nächsten Jahren regelmäßig zum "Elbe-Day" aufmarschieren zu wollen und dafür bis zu 500 Anhänger/innen zu mobilisieren. Diesen vollmundigen Worten folgten jedoch zunächst keine Taten.

Und auch in diesem Jahr lockte Aufruf des Landesverbandes der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) unter dem Motto "Laßt Euch nicht für dumm verkaufen – Massenmord war keine 'Befreiung!'" lediglich 170 Neonazis auf die Straße. Und dies trotz aufwändiger Mobilisierung mit Plakaten, Flyern und im sozialen Netzwerk Facebook. Der NPD-Kreisverband Nordsachsen rundete die Teilnehmerzahl in seiner Pressemitteilung auf immerhin "180 junge Deutsche" auf. Angeblich seien "linke Störmanöver" ausgeblieben. Tatsächlich protestierten immerhin rund 250 Bürger_innen spontan unter dem Motto "Torgau ist bunt!" gegen die Neonazis. Das haben diese anscheinend als "gute Bürgerresonanz" missverstanden - von einer solchen phantasierte jedenfalls die NPD Nordsachsen.

Den symbolischen "Handschlag von Torgau" verunglimpfen die Neonazis in ihrem Aufruf als eine "Verhöhnung aller deutschen Kriegsopfer vor und nach dem 8. Mai 1945". Die Alliierten werden als "Mörder und Vergewaltiger" bezeichnet. So auch bei einer Mobilisierungsveranstaltung eine Woche vor dem Aufmarsch in Leipzig.

Diese Sicht versuchten auch die Redner zu vermitteln, darunter der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel, der JN-Landesvorsitzende Paul Rzehaczek aus Eilenburg und der Geithainer NPD-Stadtrat Manuel Tripp sowie der JN-Bundesvize (und Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion) Julian Monaco. Mit eigenen Transparenten vertreten waren die "Kameradschaft Leipzig-Möckern", das "Heimattreue Leipzig", die "Nationalen Sozialisten Torgauer Umland" sowie der Dresdner Initiative "Gegen das Vergessen". Mitgeführt wurden auch schwarze Fahnen mit Städtenamen wie Borna, Delitzsch, Dresden, Weißenfels und Köthen/Anhalt. Kurz vor der Abfahrt aus Torgau posierten die Neonazis vor dem Bahnhof noch mal mit einer größeren Zahl an JN- und Sachsen-Fahnen, um auf diese Weise "ein paar würdige Abschlussbilder" schießen zu können, wie es in einem Blog-Bericht hieß.

Gansel hatte in seinem Redebeitrag noch gemahnt "Kein Deutscher mit Ehre und Anstand hat an diesem Wochenende in Torgau irgendetwas zu feiern!". Die entsprechende Resonanz von Seiten der deutschen Volksmassen blieb aus.

Quelle: 

L-IZ vom 27.04.2013 ("Neonazi-Aufmarsch in Torgau: Keine besonderen Vorkommnisse"), MDR-Sachsenspiegel vom 27.04.2013 ("Torgau wehrt sich gegen Naziaufmarsch"), LVZ-Online vom 27.04.2013 ("Friedliche Proteste gegen rechten Aufmarsch beim Elbe Day in Torgau"), Ankündigung und Auswertung der NPD Nordsachsen vom 01.03. und 29.04.2013, "Libertas"-Blog vom 28.04.2013