Verschwörungstheoretiker-Treffen mit Jürgen Elsässer in Leipzig

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15.

August
2009
Samstag

Am Sonnabend lud die Produktionsfirma "NuoViso" des Leipziger Filmemachers Frank Höfer zu einer "Informationsveranstaltung über die aktuelle geopolitische Weltlage" nach Plagwitz. Die großspurig als "Geopolitik-Konferenz" bezeichnete Veranstaltung zog nach seinen Angaben rund 500 Personen an, die für dieses Ereignis bereitwillig 25 Euro berappten. Einer der Referenten war der Querfrontler Jürgen Elässer, der hier am nächsten Tag noch eine "Bundeskonferenz" seiner "Volksinitiative" (anfangs firmierend unter "Volksfront gegen das Finanzkapital") durchführte. An beiden Tagen warb Elsässer eifrig für eine Demonstration gegen die "EU-Diktatur", zu der sich am 5. September schließlich rund 500 Personen in Berlin einfanden.

Als Anlass für die "Geopolitik-Konferenz" wurde im Einladungstext der Anschlag vom 11. September 2001 auf das New Yorker "World Trade Center" genannt: "Acht Jahre nach den Anschlägen kommen immer mehr Hintergründe ans Tageslicht, die beweisen, dass die offizielle Version der Anschläge nicht stimmen kann." Dementsprechend flimmerten in Leipzig auch die im Internet sehr erfolgreichen, u.a. beim neonazistischen Internetportal "Altermedia" lobend erwähnten "NuoViso"-Produktionen "Unter falscher Flagge" und "Kriegsversprechen" über die Leinwand. In diesen wird jeweils verschwörungstheoretisch gemutmaßt, dass "[n]icht islamische Terroristen, sondern einige ranghohe Militärs und Politiker der US-Regierung selbst [...] für die schrecklichen Anschläge verantwortlich" sein könnten.

Weitere Referent_innen neben Elsässer und dem Organisator Höfer waren u.a. Jochen Scholz (Oberstleutnant der Luftwaffe a.D.), der Journalist Christoph Hörstel (Gründer der Kleinstbewegung "Neue Mitte", siehe auch diesen Bericht über seine Hetzrede auf einer "9/11"-Demonstration 2011), Marion Küpker ("Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen") und der Dokumentarfilmer Frieder Wagner. Beleuchtet wurde von ihnen neben dem Überthema "9/11" laut Elsässer der "gesamte 'Krisenbogen' vom Pipelinemonopoly über die Eskalation in Afghanistan/Pakistan, bis zu den Milleniums-Gefahren von Uranbomben und Atomwaffen in Deutschland".

Beim Abschlussplenum der Konferenz erklärte Elsässer euphorisch: "Was wir hier erleben, ist die Geburtsstunde einer neuen Bewegung." Wichtig sei, dass "wir uns nicht auseinanderdividieren lassen in Politische und Spirituelle. Das geht irgendwie zusammen." Offenkundig ist dem früheren "Antideutschen" bei seinem Bemühen, eine breite Querfront gegen das "anglo-amerikanischen Finanzkapital" zu etablieren, inzwischen jede_r Bündnispartner_in willkommen. Die linke Wochenzeitung "Jungle World", zu deren Gründern Elsässer einst mit gehört hatte, urteilt darüber so: "Als kleinster gemeinsamer Nenner der 'Bewegung' muss der Mythos der 9/11-Verschwörung herhalten, der romantischen Antikapitalisten, Antisemiten und Antiimperialisten gleichfalls als Erweckungserlebnis dient."

In einem Blogeintrag wies Elsässer im Vorfeld auch auf einen neuen Leipziger "Stützpunkt" seiner "Volksinitiative" hin. Dieser Stammtisch von "Freunden" der verschwörungstheoretischen Webseiten "Alles Schall und Rauch", "NuoViso", "Infokrieg", "Neue Mitte" und eben der "Volksinitiative" ist aber scheinbar schnell wieder eingeschlafen. Der zweite und letzte Eintrag im zugehörigen Blog stammt vom 17. September 2009. Zu einer weiteren von Elsässer organisierten "9/11"-Konferenz kamen 2011 nur noch etwa 170 Personen nach Schkeuditz.

Quelle: 

Einladung und Bericht bei "NuoViso.TV", Jungle World Nr. 38 vom 17. September 2009, Blog von Jürger Elsässer vom 24.07.2009 und 17.08.2009, Blog des Leipziger "Volksinitaitive-Stammtischs", chronik.LE