Zwanzig Vermummte überfallen Nachtbus mit Besuchern des Courage-Konzerts

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1.

Mai
2008
Donnerstag

Im Stadtteil Mockau ist in der Nacht zum 1. Mai 2008 ein Bus der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) brutal überfallen worden. Etwa zwanzig Vermummte fielen an der Haltestelle Friedrichshafner/Essener Straße gegen 1.30 Uhr über den nahezu voll besetzten Bus her. Dabei wurde ein 19-Jähriger schwer verletzt. Mit dem Bus fuhren vor allem Besucher des "Courage zeigen"-Konzerts vom Völkerschlachtdenkmal nach Hause. Mit der Veranstaltung soll ein Zeichen gesetzt werden gegen Nazismus, Gewalt und Rassismus.

Ein LVB-Sprecher berichtete nach der Tat von einer "herausragenden, bisher nicht erlebten Brutalität". Die Angreifer warfen mit einem Kantholz die Frontscheibe des Busses ein und zerstörten mit einem Schlagstock Seitenscheiben und Türverglasungen. Der dadurch verursachte Sachschaden beläuft sich auf 3200 Euro.

Am 20. Juni teilten Kripo und Staatsanwaltschaft mit, dass inzwischen fünfzehn Tatverdächtige im Alter von 17 bis 26 Jahren ermittelt worden sind. Diese seien dem rechten Spektrum zuzuordnen und stammten zum Teil aus der so genannten Ultra-Szene der Fußballvereine FC Sachsen und Lok Leipzig. Einige der Schläger sind Behördenangaben zufolge bereits vorbestraft. Ziel des Überfalls sei gewesen, "ihrem äußeren Anschein nach linksorientierte Personen festzustellen, diese aus dem Bus herauszuholen und dann zu verprügeln".

Laut eines Spiegel-Online-Berichts vom 17. November sollen die Beschuldigten bereits eine Stunde vor dem Busüberfall aus rassistischen Motiven einen Döner-Imbiss verwüstet haben. Ein an den Übergriffen beteiligter 19-Jähriger soll zudem laut LVZ-Online wenige Stunden zuvor beim Landespokalendspiel zwischen dem Chemnitzer FC und dem FC Sachsen Leipzig am Nachmittag in der Chemnitzer Innenstadt gezielt mit Leuchtkugeln auf Fans und Ordnungshüter geschossen haben. Die Polizisten nahmen ihm die "Abschussvorrichtung" ab und seine Personalien auf. Anschließend sei der 19-Jährige zurück nach Leipzig gefahren.

Daraufhin sind gegen zwölf Tatverdächtige Haftbefehle wegen schweren Landfriedensbruchs und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung erlassen worden. Bis auf einen wurden diese jedoch gegen "strenge Auflagen" außer Kraft gesetzt. Bei Hausdurchsuchungen wurden Sturmhauben und Schlagstöcke gefunden.

Seit Anfang des Jahres 2009 stehen inzwischen 14 Personen in zwei Verfahren vor Gericht. Das erste Verfahren endete am 9. März 2009 mit sechs Schuldsprüchen, alle sechs Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und vier Jahren verurteilt. Am ersten Verhandlungstag Anfang Februar vor dem Amtsgericht Leipzig hatten vier der Täter Geständnisse abgelegt.

Gegen weitere acht Tatverdächtige in diesem Fall hat die Staatsanwaltschaft nach LVZ-Angaben bereits Anklage erhoben, für diese abgetrennten Verfahren stehen allerdings noch keine Prozesstermine fest.

Quelle: 

LVZ vom 21.6.2008, Spiegel-Online vom 17.11.2008, LVZ-Online vom 17.11.2008, LVZ vom 03.02.2009